Religion in Second Life - Die Serie - Teil 1

Freitag 23. Mai 2008 von admin

Second Life beherbergt ein facettenreiches religiöses Leben. Ich bin diesem nachgegangen, habe Pfarrer, Wissenschaftler und Nutzer interviewt, um dem Phänomen Religion in Second Life auf die Spur zu kommen. Auf dem Katholikentag 2008 war ich bei dem Fachpodium geladen über Kirche in Second Life zu sprechen: Mehr Chancen? - mehr Gefahren?

Ist Second Life überhaupt noch ein Thema? - Wie ein Spiegelautor kürzlich treffend schrieb: “Man kann “Second Life” je nach Außentemperatur hoch- und niederschreiben, ohne das Phänomen auch nur in Ansätzen begriffen zu haben.” Da ich mit meiner Serie dem Verständnis dienen will - ohne große Worte nun zur Tat: Der erste Teil ist ein Artikel der das Phänomen Religion in Second Life aus Sicht der Theologie beleuchtet:
[Diese PDF-Datei enthält erstmals eine Übersicht über religiöse Stätten in Second Life. Bitte laden Sie sich die PDF bei Interesse herunter]

Für die Kirche im Zweiten Leben: Ein Plädoyer

Second Life ist eine der bekanntesten 3D-Welten im Internet – Nutzer aus aller Welt interagieren in diesem „virtuellen“ Raum. Obwohl es noch keine offizielle Aktivität der Kirche gibt, blüht das religiöse Leben in Second Life: Es werden Bibelgespräche geführt, die Komplet wird gebetet, interreligiöse Foren werden abgehalten, Gottesdienste gefeiert, Klöster und Kirchen errichtet.

An Second Life zeigt sich ein Phänomen sehr deutlich: Wo Menschen sich treffen, entsteht ein Bedürfnis nach Religiosität. Bereits die Gründung der ersten Internetkirche im Web, Sankt Bonifatius in Funcity, ist auf die Initiative der Nutzer zurückzuführen. Das Aufkommen der religiösen Aktivitäten in Second Life ist ein weiterer Beleg für die Absage an eine Theorie der Säkularisierung, nach der das Religiöse aus der Gesellschaft verschwindet.

Religion in Second Life orientiert sich am realen Leben:

In Second Life begegnet das Religiöse – in allen seiner Formen und Schattierungen. Das Institut für Religionswissenschaft der Universität Heidelberg erforscht mit einem eigenen Projekt religiöse Phänomene in Second Life. Dabei stellen die Forscher fest, dass Rituale aus dem realen Leben auch ins Second Life übertragen werden. Es kommt also nicht zur Entstehung von neuen Ritualformen in 3D-Welten wie Second Life. Second Life koppelt sich also nicht von der „realen“ Welt ab. Und auch ein anderer Prozess ist sehr analog zum „First Life“: Die Gruppenbildung. Wo Menschen zusammenkommen, bilden Sie Gemeinschaften. In Second Life bilden sich Gruppen von Christen, die untereinander ein dichtes Informationsnetzwerk flechten. Sie bauen Kirchen, Klöster und Gemeinschaftsräume in Second Life und begehen liturgische Bezüge und tauschen sich aus. Nicht nur der Kölner Dom ist in Second Life präsent, sondern auch der Jerusalemer Tempel oder das Benediktkloster und an weiteren Projekten dürfte fleißig gearbeitet werden. Kleine Religionsgemeinschaften und große Religionen – sie alle sind vertreten.

Eine neue Qualität der Begegnung: Erfahrbarkeit

Was Second Life so interessant macht, ist die neue Qualität der interreligiösen Begegnungen. Beispielsweise hat die Plattform www.islam-online.net eine vir-tuelle Kopie von Mekka erstellt. Auch Nicht-Muslime können Sie besuchen. Doch damit noch nicht genug: Es ist möglich mit seinem Avatar (der Spielfigur in Second Life) eine virtuelle Wallfahrt nach Mekka zu machen, die Hajj (حج). Dabei werden dem Besucher an jeder Station der Wallfahrt Hintergrundinformationen gegeben. Das ist nichts prinzipiell Neues gegenüber einer Seite aus dem klassischen Web 1.0. Was Second Life ermöglicht, ist, diese Informationen auch spielerisch umzusetzen und so für den Nutzer erfahrbar zu machen. Wenn es zum Beispiel zu Beginn der Hajj geboten ist, die traditionellen Waschung vorzunehmen, dann kann der Nutzer diese mit seinem Avatar durchführen. Wenn es geboten ist, das traditionelle Pilgergewand anzulegen, dann legt der Nutzer seinem Avatar das neue Gewand an. Dabei spielt der Umstand eine entscheidende Rolle dass die meisten Nutzer sich mit Ihrem Avatar identifizieren. Sie sagen nicht: „Mein Avatar war in Mekka, hat die Waschung vorgenommen und die Wallfahrt gemacht“, sondern: „Ich war in Mekka …“. Diese Identifizierung, die über die visuellen, akustischen und motorischen Inputs von Second Life möglich wird, generiert ein sehr realistisches Umfeld, macht Inhalte erfahrbar. Das ist die neue Qualität von Second Life: Inhalte, die vorher maximal multimedial aufbereitet werden konnten, können nun erfahrbar werden. Die Krönung der Möglichkeiten ist dann das Gespräch und der Austausch mit den anderen Besuchern in Second Life. Dieser Austausch kann über Chat aber auch über Voice Chat, also per Stimme, stattfinden. Wenn nun die anderen Religionen nur einen Teleport (ähnlich einem Mausklick) von der eigenen Kirche entfernt sind, dann wird der interkonfessionelle und interreligiöse Austausch in Second Life leicht ermöglicht. Aber auch die Darstellung der eigenen Religion bzw. Konfession wird durch Second Life bereichert, indem sie erfahrbar gemacht werden kann.

Ein Wort zu den Schattenseiten:

Phänomene wie etwa Vereinsamung oder Flucht in digitale Welten, der ganze Themenbereich Internetsucht darf sicherlich bei der Diskussion nicht aus dem Blick verloren werden – Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Dieser Schatten darf aber nicht den klaren Blick auf die Chancen trüben. Selbst wenn einige Internetnutzer sich in den 3D-Welten zu verlieren drohen – ist es dann nicht gerade die Pflicht der Kirche hier präsent zu sein und Kontakt zu den Menschen zu suchen? Ist es dann nicht eine Chance, dass es solche virtuelle Welten gibt, in der man die Menschen ansprechen kann, die sich in Ihrer Einsamkeit hierhinein verirren oder flüchten? Eine theologische Parallele zur Karsamstagstheologie bei Hans Urs von Balthasar ist hier spürbar.

Doch solche Problemfälle in 3D-Welten dürften eher die Ausnahme sein: Nie-mand käme schließlich auf die Idee, das Autofahren prinzipiell in Frage zu stel-len, auch wenn weltweit jährlich 1,2 Millionen Menschen an den Folgen des Straßenverkehrs sterben. Und der Prozentsatz an durch das Internet geschädigten Personen dürfte prozentual unter dem der durch den Straßenverkehr beeinflussten Menschen liegen. Ein weiteres Skandalon: Der Begriff „virtuell“ wird in solchen Diskussionen zu oft als Abwertung gegenüber einer vermeintlichen Realität gesehen. Diese Unterscheidung zwischen virtuell und real ist in Bezug auf die Diskussion von Chancen und Gefahren der 3D-Welten kritisch zu sehen: Um es mit den Worten eines aktiven Internetpfarrers zu sagen: „Bin ich virtuell, wenn ich auf die Tastatur tippe und real, wenn ich den Kaffee daneben trinke?“ oder mit den Worten eines Nutzer von Second Life: „Wir sprechen nicht von real und virtuell, sondern von first und second life um zu verdeutlichen, dass es zwei Aspekte eines Lebens sind.“

Ein anderer Einwand gegen Second Life ist treffender: Second Life und andere 3D-Welten sind noch ein Randphänomen. Auf diese Problematik angesprochen, zeichnet der Entwickler von Second Life, Philip Rosedale, gerne eine Parallele zum Aufkommen des Web (WWW) Anfang der 90er Jahre: So wie damals - als Google aufkam und kaum jemand es genutzt hat, weil wenige das Potential erkannten - so ist es - laut Rosedale - zur Zeit mit den 3D-Welten im Internet: Der Mainstream hat noch nicht das Potential erkannt, was in diesen 3D-Welten steckt. Anwendungen wie etwa die virtuelle Hajj, das WWF Regenwaldprojekt oder der Nachbau von Guantanamo Bay geben diesen Worten Plausibilität. Nach einer aktuellen Studie von Fittkau & Maaß nutzt nur etwa jeder 100. deutsche Internetnutzer Second Life. Nach einer Studie von Gartner hingegen werden im Jahr 2012 80% der Internetnutzer ein Second Life haben, wobei es nicht notwendig in Second Life sein muss, sondern auch eine andere 3D Welt sein kann. Wahrscheinlich wird die Wahrheit irgendwo dazwischen liegen. Was allerdings sehr für den Bedeutungszuwachs der 3D-Welten spricht ist die technische Entwicklung. Zur Zeit sind Second Life u.a. Programme noch sehr fehleranfällig und stellen die aktuelle Hardware auf eine hohe Belastungsprobe. Es bedarf noch des Herunterladens einer Client-Software, woran viele Nutzer schon scheitern. Doch die technische Ausstattung der Haushalte wird besser, die Software wird weiterentwickelt und vielleicht bald schon komplett über den Browser bedienbar sein. Insgesamt sind dies alles Indikatoren dafür, dass mehr Internetnutzer 3D-Welten betreten können und werden.
Ein nicht zu unterschätzendes Problem liegt in dem nötigen Personal- und Zeitaufwand um in Second Life aktiv zu sein. Computerbasierte Kommunikation ist zeitintensiv. Dies bestätigt auch der ev. Pfarrer Heino Masemann, der in Second Life als Seelsorger aktiv ist. Und hierbei ist dann eine dritte Parallele zum first life gefunden: Ehrenamtliche Laien sind unentbehrlich um der Kirche ein Gesicht im Second Life zu geben.

Fazit: Große Chancen, gerade im interreligiösen und -konfessionellen Dialog:

Als Orientierungsgeber wird eine offizielle Repräsentanz der Kirche in Second Life dringend benötigt. Die Chancen sind - gerade für den interreligiösen Dialog - zu groß, um sie ungenutzt verstreichen zu lassen. Ein virtueller Jakobsweg in Second Life – oder ein Kreuzweg wären für viele Internetnutzer neue Zugangsmöglichkeiten zu den Schatzkammern des Glaubens und Anlass für Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben. Doch wer nicht präsent ist, kann auch kein Profil zeigen.

Da das Web vor kurzem 15 jährigen Geburtstag feierte, scheint ein Vergleich angebracht: Vergleicht man Second Life (als Repräsentant des Phänomens 3D-Internet) mit der Entwicklung des Web, dann ist es noch sehr jung. Gerade mal 5 Jahre ist Second Life alt. Wenn man zurückschaut, welchen Entwicklungsstand das Web im Alter von 5 Jahren, also im Jahre 1998, hatte, darf man gespannt sein, was sich noch alles an Entwicklungen in Second Life ergeben wird. Die ersten spannenden und vielversprechenden Anwendungsmöglichkeiten von Second Life werden gerade erst entwickelt. Für eine Kirche, die missionarisch ist und die darauf aus ist, die frohe Botschaft zu verkünden, bieten sich hier große Chancen.

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Die wachsende Bedeutung der sozialen Netzwerke: Auch meine Nachbarin ist drin!

Dienstag 6. Mai 2008 von admin

Wer kennt wen

Vorgestern in der Online-Community www.wer-kennt-wen.de: Die Mutter meiner Nachbarin in meinem Heimatdorf möchte mich zu Ihren Kontakten hinzufügen. Moment!: Die Mutter wohlgemerkt! Passend zu diesem Phänomen kam eine interessante Meldung: Die Firma Datamonitor gibt Zahlen an, dass immer mehr ältere Menschen auf den Community-Zug im Netz aufspringen. Zur Zeit ist die Hitliste der “Social-Networker” in Europa:

  1. Großbritanien mit 9,6 Millionen Nutzern von Social Networking Diensten
  2. Frankreich mit 8,9 Millionen
  3. Deutschland mit 8,6 Millionen

Für 2012 prognostiziert die Firma 21,7 Millionen Nutzer, also knapp 1/3 der Bevölkerung. Warten wirs ab!

PS: www.wer-kennt-wen.de ist im Südwesten Deutschlands sehr verbreitet. Falls Sie mich dort treffen möchten: juergenpelzer ist mein Account bei wkw (wer-kennt-wen).

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Metaebene online-Recherche: Übersicht zu sozialwissenschaftlichen Studien zum Internet

Montag 5. Mai 2008 von admin

Es gibt nun eine wunderschöne Übersicht über Studien zum Thema Internet: Das Recherche Spezial 04/2008: Ein Überblick über aktuelle sozialwissenschaftliche Forschung zur Thematik „Generation Online: Medienkompetenz und Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen“ - herausgegeben von der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen (GESIS).

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Generation Google: alles andere als fit fürs Netz! - und die Konsequenz für den Reli-Unterricht

Freitag 2. Mai 2008 von admin

Generation google
Eine aktuelle Studie der Sheffield University zur Google Generation (alles nach 1993) sorgt für Aufsehen: Demnach sind 20% der Jugendlichen digitale Dissidenten, 57% nutzen das Internet kaum was den Umgang mit Suchmaschinen und Informationsquellen angeht. Entgegen der Ansicht, die Jugendlichen hätten das Wissen um die neuen Technologien mit der Muttermilch aufgesogen, zeigt die Studie besorgniserregende Unkenntnis im Umgang mit Informationen im/aus dem Internet.

Wenn das Internet genutzt wird, dann nur oberflächlich, wie die Studienautoren bemängeln: “Es scheint, als würden sie online gehen, um das Lesen im klassischen Sinne zu vermeiden”. Die wenigsten Jugendlichen können dabei die Informationen aus dem Internet einordnen: “Die private Meinung irgendeines anderen Nutzers kann oft nicht von wissenschaftlichen Informationen unterschieden werden” meint Max Schmidt, Vorsitzender des bayrischen Philologenverbandes (bpv). Für viele Jugendliche hört das Internet bei google und wikipedia auf. Weitere Informationen gibt es hier.

Ergo: Die Studie zeigt deutlich (und das trifft sich auch mit den Ergebnissen der JIM Studie 2007), dass die Schüler einer Internetkompetenz bedürfen. Um diese zu vermitteln müssen sich aber erst einmal die Lehrer eine solche aneignen.

Im Gespräch mit Schülern über den Religionsunterricht erfahre ich immer wieder, dass diese das Internet gerade für das Thema Sekten und interreligiöser Dialog als Rechercheinstrument nutzen. Es würde sich doch anbieten, dass die Religionslehrer im Unterricht das Thema Internet aufgreifen - denn gerade für solch wichtige Themen wie Interreligiosität (mit dem die Schüler ja auch in ihrer Lebenswelt konfrontiert werden) bietet sich das Internet als Rechercheinstrument an. Das gilt imho auch für das Studium der Theologie. Das Projekt Bible World an der Uni Frankfurt oder die Internetwerkstatt in Sankt Georgen, Frankfurt, sind in meinen Augen vielversprechende erste Ansätze - was denken Sie?

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Social Networking: Communities unter der Lupe

Donnerstag 10. April 2008 von admin

Der Spiegel hat vor einiger Zeit schon (Feb. 2008) auf eine “Studie” aufmerksam gemacht: Was Communitynutzer wirklich wollen: Es heißt dazu: “Durchgeführt von der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Freundliche Netzwerke GmbH Ende 2007. 46 Community-Betreiber und 172 Community-Nutzer wurden befragt, 14 große Netzwerke à la MySpace inhaltlich analysiert.”

Ok, 172 Befragte lassen den Terminus “Studie” etwas deplatziert erscheinen. Auch ein n=1 in Grafik 3 ist mehr als fraglich in seiner Repräsentativität. Sprechen wir lieber von einer Befragung.

Was gibt´s inhaltlich? Nicht viel Neues. Ein paar schöne Schaubilder, die ausdrücken, was jeder Community Nutzer schon wusste: Wichtig fürs Marketing ist die Mund-Propaganda, Flyer werden wenig wahrgenommen. 31% der neuen Nutzer werden durch Weiterempfehlungsanreize gewonnen.
Bei den Funktionen fällt auf, dass die Nutzer eine “Ignorieren Funktion” (also andere Nutzer sperren zu können) sehr wichtig finden, die Unternehmen aber nicht. Wichtig sind den Nutzern auch Geburtstagsfunktionen, die wiederum die Unternehmen gering einschätzen. Anders herum sind Unternehmen die Funktionen wie RSS-Feeds, Widgets und Belohnungssysteme wichtig, während diese bei den Usern einen geringen Stellenwert haben.
Die Beweggründe für eine Mitgleidschaft sind: Freunde wiederfinden (73%), Freunde sind auch drin (70%), Neue Freunde finden (32%) - Sprich, Communities werden hauptsächlich genutzt um mit bekannten Personen in Kontakt zu bleiben. StudiVZ, XING und Stayfriends sind die am meisten genutzten Communites. Nachgefragte Features sind Geburtstagsfunktionen (70%), Suchfunktion (54%) und aktuelle Inhalte auf der Startseite (44 %) [Anmerkung in eigener Sache: Das war unser Gründungsprinzip bei www.kath.de].
Viel mehr gibt die Befragung nicht her und sie ist mit Vorsicht zu genießen, da sie nur 172 Befragte einbezieht. Spannend ist die Diskussion zu dem Artikel über die Studie im Spiegel online Forum. Fazit ist, dass der Reiz von Communities darin liegt mit Bekannten Personen in Kontakt zu bleiben.

Es handelt sich dabei aber um keinen kurzfristigen Hype. Vielmehr ist ein Paradigmenwechsel in der Gesellschaft im Gange. Das neue Paradigma ist das Profil. Die online-Communities sind das Tool, der Rahmen, einer heranwachsenden Generation, die im Wandel hin zur Wissensgesellschaft aufwächst. Formattechnisch gesehen sind sie die logische Weiterentwicklung der Email.
Interessanter als die “Bonn-Rhein-Sieg Befragung” ist die Grundlagenstudie Community Effects der Tomorrow Focus AG. Sie untersucht Werbung und Marketingmöglichkeiten in Communities. Zitat: “ Wichtig in der jungen Nutzerschaft von Social Networking-Angeboten wie piczo.com, FOCUS Campus oder schwarzekarte.de ist die Selbstdarstellung in der Peer-Group. Dies gilt auch in Bezug auf virale Marketing-Aktionen. So ist Musik für Teenager das wichtigste Medium der Selbstdarstellung und Identifikation. Es nimmt im Alltag der audio-visuell orientierten Community-Nutzer einen hohen Stellenwert ein.”

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Web 2.0 und die Zukunft des Online-Videos…

Mittwoch 9. April 2008 von Juergen Pelzer

YouTube hat vor allem bei Jugendlichen eine enorme Reichweite. SevenLoad, MyVideo u.a. bestätigen diesen Erfolg des Bewegtbildes im Internet. Doch was kommt danach?

Videos online stellen ist im Trend - VJ´s, so heisst es in der Medienszene, sind gefragt. Viele Institutionen planen, Ihren Webauftritt mit den schmucken OnlineVideos aufzupeppen. Doch ist das schon das Ende der Fahnenstange?

Nein, YouTube plant, wie man in Interviews lesen kann, dieses Jahr noch Live-Streaming Videos zu ermöglichen. Doch andernorts ist die Zukunft schon greifbar (oh, wie pathetisch - ich entschuldige mich): www.kyte.tv hat einen wirklich spannenden Ansatz: Man kann die Videos nicht nur live-streamen, auf Communitys wie facebook und myspace und auf mobilen Endgeräten einsetzen, sondern - und das ist der Clou - es gibt einen Livechat der Nutzer, die das Video gleichzeitig sehen. Das halte ich für einen innovativen Ansatz. Während ich bei YouTube nur sehe, wieviel Personen das Video noch zeitgleich sehen, kann ich bei kyte schon mit diesen chatten, in Kontakt treten und ihre Profile anschauen. Ich kann sogar von meinem Mobiltelefon die Filme live streamen und mit den Zuschauern chatten. Auch wenn das noch kaum jemand nutzt - wer nutzte schon 1995 Google ;-). Kyte verbindet auf jeden Fall in innovativer Weise zwei Trends, die noch nebeneinander laufen: Mobiltelefone und Online-Videos. Zudem ist das Chatsystem eine natürliche Weiterentwicklung der Online-Videos.

 www.kyte.tv ist einen Blick wert. Eine gute Einführung zu kyte als Video gibt es hier: http://www.kyte.com/platform/pg/overview_video. Ein Interview mit einem Investor und einem kyte-Gründer gibt es hier: 


Der ältere Herr ist einer der Investoren, Ron Conway, einer der ersten Investoren in Google, PayPal u.a. Der jüngere Mann ist Daniel Graf von kyte.tv

Apropos Film: Seit dem 8.4 ist der Film “Web 2.0″ online. http://www.web2null-derfilm.de/. Er entstand an der Hochschule für Medien in Stuttgart. Wer 35 Minuten Zeit hat, kann ihn anschauen. Ein netter Überblick über das, was alles Web2.0 ist. Er ist sicher gut gemacht, aber es fehlt mir etwas der rote Faden. Zuerst geht es um Barcamps, dann um Blogs. An dieser Stelle fragte ich mich, ob der Film noch etwas Neues bringt. Dann geht es viel um Startups, gefolgt von einigen fast philosophischen Zukunftsfragen, die Web2.0 aufwirft. Vor allem das Interview mit Tim O´Reilly ist interessant. Am Ende stellt Nicole Simon eine der spannenden Frage: Warum muss ich als Nutzer immer noch manuell meine vielen online-Profile etc. abgleichen? Wo ist hier die Entwicklung? Auch im Bereich Video bietet kyte hier eine neue Möglichkeit :-). Die verschiedenen Interviews am Ende des Films sind spannend. So stellt Lukasz Gadowski fest: Wir stehen im Eb2.0 erst am Anfang - recht hat er! Diese Interviews hätte ich mir persönlich als Einstieg gewünscht, denn Sie sind interessant - doch sehen Sie einfach selbst:


Der Film “Web 2.0″, enstanden an der Hochschule für Medien Stuttgart und eine Dokumentation des Web2.0

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Anti-Islam Video im Internet und die Bedeutung der Videoportale

Samstag 29. März 2008 von admin

Das Medieninteresse an dem Video “Fitna” des Niederländers Geert Wilders zeigt zwei Dinge: Zum einen, wie vergleichsweise einfach es durch das Internet geworden ist, global Aufmerksamkeit zu erzeugen. Zuerst versuchte Wilders ja erfolgslos bei den niederländischen Fernsehstationen seien Kurzfilm (ca. 10 Minuten) zu platzieren.

Zum anderen zeigt es, wie groß die Bedeutung der Videoportale mittlerweile in der öffentlichen Wahrnehmung geworden ist. Die inhaltliche Debatte möchte ich hier ausklammern, darüber berichten die Zeitungen zur Genüge. Ich lehne das Video übrigens vollkommen ab, da es durchweg populistisch und emotionalisierend ist.

Das Video wurde mittlerweile schon von dem großen Videoportal LiveLeak.com entfernt, ist aber auf anderen aufgetaucht, z.B. YouTube. Dort wurde es laut YouTube Statistik vor einem Tag eingestellt und wurde bis heute 29. März 12:00 Uhr MEZ über 320.000 mal aufgerufen, über 2000 mal zu den Favoriten hinzugefügt. Es hat eine große Diskussion angestoßen und über 13.300 Kommentare hervorgerufen sowie 76 Videoantworten. D.h. geht man von 24 Stunden aus, in denen das Video online ist sind das pro Minute! ca. 9 Kommentare. Zu dem Zeitpunkt als ich das Video schaute, gab es noch 15 andere Mitseher. Über 300 You Tube Nutzer haben die Videos des Einstellers (der sich bezeichnenderweise fitnafilm nennt) abonniert.

Was bedeutet dies aber für die Kirche?

Gerade auf den Videoportalen wie YouTube finden die öffentlichen Diskussionen der aktuellen Themen statt, die auch für die Kirche von Bedeutung sind. Das Internet, vor allem die Videoportale wie YouTube, sind zu einem wichtigen und großen öffentlichen Raum des Meinungsaustausches geworden - die Agora der Moderne, in der die Kirche Profil zeigen muss. YouTube spielt für die kirchliche PR-Arbeit eine wichtige Rolle - oder könnte es zumindest. Was denken Sie?

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Eucharistie online - Vortrag bei jungen Erwachsenen

Freitag 28. März 2008 von admin

Ich freue mich schon sehr auf Sonntag - dann werde ich in Münster in der Akademie Franz Hitze Haus innerhalb des Seminars “Die @ Generation” einen Vortrag vor jungen polnischen und deutschen Erwachsenen halten zum Thema Kirche online. Ich war bereits im Januar dort zu Gast und sehe mir gerade meine Auswertung des letzten Vortrags an. Vortrag? - das passt nicht so ganz, denn wie sagt mein Coach immer: Der Referent ist dem Zuhörer maximal 2 Minuten an Wissen voraus - deshalb sind meine Vorträge auch eher im Stil einer gemeinsamen Exkursion in den Bereich Kirche online. Letztes mal konnte ich einiges von den Jugendlichen lernen, was Ihre Erwartungen an eine Kirche online betrifft - darüber will ich kurz berichten:

Vorerfahrungen der Schüler mit Religion im Internet stellten sich als sehr gering bis nicht vorhanden heraus. Einige Schüler (ca. 4 von 30) hatten bereits einmal im Zuge des Religionsunterricht das Internet genutzt, um nach religiösen Inhalten (meist im Sinne eines interreligiösen Vergleiches) zu suchen und diese zu sichten. Eine wirkliche Vorstellungen von dem religiösen Angebot im Internet hatte keiner der Schüler.

In meiner Moderatorenausbildung bei W-Live habe ich die Teilnehmeraktivierung als Element bei längeren Einheiten schätzen gelernt. Sie bezog sich auf die Frage: „Habe ich ein besonderes Interesse an dem Thema, eine Frage, die ich gerne beantwortet hätte?“ Die Schüler zeigten hierbei ein großes Interesse an dem Themenbereich, was sich unter anderem in der Qualität der Fragen zeigte:

  • Mit welchen Themen präsentiert sich die Kirche online?
  • Ist die Kirche (altmodisch) nicht unvereinbar mit dem Internet (jung, dynamisch)
  • Hat die Kirche ein eigenes Profil online und wenn ja, wie zeigt sich das?
  • Welche Angebote hat die Kirche im Internet?
  • Benutzt die Kirche das Internet nicht nur als Köder um junge Leute anzulocken, die sonst gar nicht mehr für die Kirche greifbar wären? und: Will die Kirche sich einfach nur als cool verkaufen indem sie das Internet nutzt?
  • Wie präsentieren sich Sekten online
  • Welche Formen nutzt die Kirche im Internet?
  • Wird das Internet nicht auch zur Flucht in virtuelle Welten genutzt?
  • Wie ist die Erreichbarkeit der Kirche im Internet?
  •  Welcher Nutzen entsteht aus der Präsenz der Kirche im Internet – für die Kirche – für die Nutzer?
  • Wie steht es mit der Religionsfreiheit online – siehe Karrikaturenstreit?
  • Wer steht hinter den religiösen Angeboten, wie kann ich einen Urheber ermitteln
  • Wer ist Träger der kirchlichen Internetarbeit – Der Pfarrer?
  • Wie ist mit Anonymität im Internet – Kann ich sicher sein, dass ein Pfarrer in Second Life auch ein echter Pfarrer ist?
  • Wie stellt sich der Islam im Internet dar – wie nutzen Fundamentalisten das Internet zur Propaganda-Verbreitung

Bereits aus den Fragestellungen und aus den Diskussionen während des Vortrages kristallisierte sich ein ambivalentes Verhältnis der Jugendlichen zu Kirche (im Internet) heraus. Die Ausgangsbasis der Schüler war die Beobachtung, dass Kirche in Ihrem Leben nicht mehr präsent ist. Von daher kam die Frage, ob die Kirche das Internet nicht einfach nutze um sich einer Verjüngungskur zu unterziehen und auf dieses Weise die Jugendlichen zu werben suche.

Gleichzeitig ist aber eine große Erwartungshaltung an die Kirche deutlich geworden: Schüler erwarten Themen, die Ihre Lebenswelt entsprechen. Mehr noch als das, erwarten sie von der Kirche, dass diese deutlich Position bezieht und Missstände benennt. Die Verknüpfung beider Aspekte scheint im Sinne der Schüler eine gelungene Präsenz von Kirche im Internet auszumachen.

Das Religion und religiöse Themen aber auch jenseits von kirchlichen Präsenzen im Internet vorkommen und diskutiert werden, schien eine weitgehend neue Erkenntnis für die Schüler zu sein. Musterhaft wurde dies am Beispiel der Kampagne „Praise the lord“ in dem populären Videoportal You Tube gezeigt. Hier diskutieren Atheisten mit Christen per Videobotschaften über die Frage, ob es Gott gibt.

Die Schüler bestätigten weitestgehend die Ergebnisse der JIM Studie 2007 (zur Studie siehe meinen Blogbeitrag) in Ihrem Internetnutzungsverhalten: Communities wie SchülerVZ gehören fest zum Alltag der Jugendlichen (26 von 30 haben ein Profil), ebenso wie der Instant Messenger. Als Rechercheinstrument dient fast allen Google, Spezialsuchmaschinen oder Alternativen scheinen wenig bekannt. Interessant ist die Beobachtung, dass der Begriff Web2.0 unbekannt ist. Auch eine grundlegende medienpädagogische Kompetenz im Umgang mit dem Internet ist bei manchen Schülern noch wenig gegeben: ca. 30% glauben, dass ein Inhalt der ins Netz gestellt wird, schon von irgendjemandem vorher auf Richtigkeit geprüft wurde. Damit bestätigt sich in etwa auch das Ergebnis der JIM Studie, die diesen Wert mit 23% beziffert.

Kirche im Internet trifft in den Schülern ein kritisches aber auch aufgeschlossen-forderndes Gegenüber, dass im Prinzip die Werte der Kirche teilt. Doch scheinbar gelingt es der Kirche mit Ihrer Online-Präsenz nicht, den Schülern zu vermitteln, dass diese Ihre Werte innerhalb der Kirche leben und einbringen können.

Wenn ich dann aber eine Meldung wie heute lese (Domradio, 28.03 Titel “Boulevard erreicht Rom
Vatikan: Kritik an angeblicher Transsexuellen-Schwangerschaft”
) platzt mir sprichwörtlich der Geduldsfaden und es wundert mich nicht mehr, dass Jugendliche die Kirche meiden. Der Sprecher des mexikanischen Kurienkardinals hat scheinbar inhaltlich gesagt “Transsexualität sei generell gegen die Menschenwürde gerichtet”. Da bleibt bei mir nur die Frage: Sind wir wieder im Mittelalter? Die Aussage ist nicht nur unlogisch, da sie sich selbst nivilliert: Denn die Menschenrechte schützen ja gerade Außenseiter wie z.B. Transsexuelle, die eben wegen Ihrer Sexualität diskriminiert werden. Diese Aussage, dass Transsexualität gegen die Menschenwürde gerichtet sei ist auch verletztend gegenüber jenen, die diesen Weg für sich wählen - da hilft auch der feine Unterschied nicht, dass der Sprecher nicht von Transsexuellen spricht, sondern abstrakter von der Transsexualität. Bei mir hinterlässt eine solche Aussage nur Kopfschütteln. Dennoch freue ich mich sehr auf Sonntag und werde hier von den Eindrücken mit den jungen Erwachsenen berichten.

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Community-Studie und Virales Marketing

Donnerstag 27. März 2008 von admin

Tomorrow Focus hat die Studie Community Effects 2008 rausgebracht: Es geht um Möglichkeiten des viralen Marketings und Werbung in Social Communities. Nicht unbedingt theologisch aber spannend:
Hier ist der Ergebnisberichtband im PDFormat abrufbar

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Studie der AGOF zur Internetnutzung

Donnerstag 27. März 2008 von admin

Die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) veröffentlicht heute (27.03) die Zahlen der neuen Welle ihrer Markt-Media-Studie: die internet facts 2007-IV. Die aktuelle Welle der internet facts weist Reichweiten- und Strukturdaten für 385 Online-Werbeträger auf Angebotsbasis und 1.967 Belegungseinheiten aus.

Das spannende: Web 2.0 Angebote sind auch hier auf dem Vormarsch.

Hier finden Sie die ausführliche Version des Berichtsbandes der internet facts 2007-IV, untergliedert in 5 Bereiche:

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