“As-salamu alaikum” oder: Ich bin mal eben pilgern … nach Mekka (Serie Religion in Second Life)

Mittwoch 1. Juli 2009 von admin

Nachdem meine Serie Religion in Second Life lange geruht hat, geht es nun mit einem Erlebnisbericht über den Islam in SL weiter. Dazu mein Beitrag auf dem Blog des Projektes www.kirche-in-virtuellen-Welten.de

http://georgskirche.blogspot.com/2009/06/as-salamu-alaikum-oder-ich-bin-mal-eben.html

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Pope2You.net gestartet - Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel

Dienstag 19. Mai 2009 von admin

pope2you-screenie.jpgDer Vatikan hat eine neue Jugendcommunity gestartet, http://www.pope2you.net

Ein erster Blick: 

Das erste Problem der Seite dürfte die URL sein. Nur ein .net führt zum Ziel: Die Domainendung .de ist gar nicht vergeben (scheinbar auch keine anderen länderspezifischen Topleveldomains), .com oder .org führen auf das Angebot und den Loginbildschirm einer Firma für Desktopvirtualisierungssoftware Parallels.

Ok, aber mit .net klappts, ich bin auf der Seite. Hm.. also in der Pressemitteilung wurde angekündigt: „Schon die Eingangsseite zeigt das: der Papst und die Jugendlichen.“, so Erzbischof Claudio Maria Celli bei der Vorstellung. Naja, denke ich mir, den Papst sehe ich, nur wo sind… ah ja, jetzt fallen mir links etwas ausgefadete Jugendliche auf, die im Kreis stehen und mich von oben her anlächeln. Ich will ja keine Bildinterpretation wagen, aber irgendwie sagt das Bild mir nicht “der Papst und die Jugendlichen” sondern der Papst … und da sind irgendwo auch ein paar Jugendliche versteckt. Eine Kluft.

“Präsentation der Nachricht” und “die Nachricht” - diese beiden Menüpunkte locken mich zum Anklicken: Was ist die Nachricht? Als Diplom-Theologe tippe ich mal auf das Evangelium. Ich tippe also auf “die Nachricht” und… zwei neue Buttons erscheinen: “Herunterladen” und “Email”. Ich tippe gespannt auf Herunterladen, wobei der Durchschnittsatheist hier wahrscheinlich schon abgeschreckt wäre, seinen Computer mit einem katholischen Virus zu infizieren. Achso, denke ich mir, als sich eine PDF Datei öffnet, es handelt sich also um die Nachricht zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel am 24. Mai.

Die Botschaft:
Darin spricht der Papst direkt die junge digitale Generation an und dutzt sie. Er spricht davon, dass die ältere Generation diesen fundamentalen Wandel, den die neuen Medien mit sich brachten, nur schwer nachvollziehen kann, aber dass sie auch die Potentiale sieht. Diese liegen vor allem darin, Verständnis und Gemeinschaft der Menschen untereinander zu fördern. Den Solidaritätsgedanken macht der Papst besonders stark: Die Vorteile müssen allen zu Gute kommen, vor allen den Bedürftigen und Schwachen. Medientheoretisch führt der Papst den Erfolg des Internets auf das Bedürfnis des Menschen nach Kommunikation und Freundschaft zurück. Er weist auch auf die Gefahr hin, dass die Freundschaftspflege im Internet zu obzessiv betrieben werden kann und dann das reale Leben darunter leidet. Alles in allem betont er aber die Möglichkeiten des Internets, die darin liegen, Freundschaft und Verständnis untereinander zu förder, betont aber auch die Notwendigkeit, nicht die Wahrheitsfrage dabei auszuklammern. Die junge digitale Generation sendet er am Ende: “Ich möchte diese Botschaft schließen, indem ich mich besonders an die jungen Katholiken wende, um sie zu ermuntern, das Zeugnis ihres Glaubens in die digitale Welt zu tragen. Euch jungen Menschen, die ihr euch fast spontan im Einklang mit diesen neuen Mitteln der Kommunikation befindet, kommt in besonderer Weise die Aufgabe der Evangelisierung dieses “digitalen Kontinents” zu.”

Weiter in der Seitenanalyse:

Was biete mir die Seite noch? Einen Link zum YouTube Kanal, einen Link zum H2O News Angebot für mein IPhone (oh je, ich habe gar keines). Und dann, das ist spannend, ein Wiki, um die Botschaft zu kommentieren. Toll, also klicke ich direkt darauf. Hm.. das was sich dann präsentiert erinnert wenig an ein WIKI. Ich kann einzelne Teile der Botschaft anklicken und dann… bin ich überfordert, obwohl ich mich zur digitalen Generation zähle. Die Überforderung gründet in einem fehlen italienischer Sprachkenntnisse, denn die unteren Menüpunkte sind italienisch gehalten. Ok, ich hatte aber Latein im Studium, ich bekomme eine erste Übersetzung hin und klicke auf “commenta pagina” in der Hoffnung nun meinen Teil zum Gesamtwerk beitragen zu können. Es öffnet sich eine Outlook Email Vorlage, in der der Empfänger ucs@chiesacattolica.it eingetragen ist. Oh, denke ich, mailto Befehle waren doch schon immer unter Usability-Gesichtspunkten untersagt gewesen. Davon abgesehen will ich nicht irgendwem Unbekannten eine Email Schreiben, ich will einen Wikibeitrag verfassen, und anders als der Name Wiki mir das verspricht (hawaianisch für “schnell”) kann ich hier nicht mal eben so mein Kommentar abgeben.

Nun, gut, es gibt aber noch das Herzstück: Die Facebook App (App für Aplication). Ich klicke darauf, logge mich bei Facebook ein und lese dann, dass ich Bilder vom Papst an meine Freunde senden kann und auch Emails erhalten kann. Ok,mal schauen, was erlaubt mir die App noch: Ich kann die Nachricht verschicken, kann auf alle Angebote von www.pope2you.org klicken und Postkarten versenden. Na gut, ich lade mal 8 Freunde ein. Dann klicke ich noch auf den Button “Fan” - Oh, immerhin ich bin der 100ste Fan der Facebook Applcation “Pope2you”. Sehr schön. Aber auch hier will mich niemand hören…

Kurzum: Der richtige Weg, den der Vatikan einschlägt, die Nachricht zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel ist gerade in Ihrer Kürze sehr treffend und wegweisend. Die Umsetzung ist allerdings noch davon gekennzeichnet, dass es sich primär um eine Einwegkommunikation handelt und die Möglichkeiten des Internets / Web 2.0 noch nicht so ganz ergriffen sind. Aber die Richtung stimmt. Wenn ich da an meinen Studienbeginn denke, hat sich doch einiges getan im Hinblick auf das Erkennen der Möglichkeiten des Internets für die Kirche.

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Ich chatte also bin ich… neue Studie

Montag 18. Mai 2009 von admin

Eine neue Studie des Hans Bredow Institut beschäftigt sich mit der Frage, wie Jugendliche das Web 2.0 nutzen. Eine sehr aktuelle und präzise Bestandsaufnahme: http://www.lfm-nrw.de/presse/?id=651

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Differenz verstehen: Quintessenz der Internetkommunikation? oder: Luhmann und das Web 2.0

Montag 18. Mai 2009 von admin

Ich habe mich etwas mit Luhmann und seiner Systemtheorie beschäftigt. Mir scheint der Kerngedanke in Bezug auf Medientheorie der Folgende zu sein: Kommunikation ist dann gelungen, wenn sie zum Verstehen von Differenz(en) führt, bzw. Kommunikation kann nur stattfinden, wenn es Differenzen gibt. Dort wo Kommunikation in Konsens mündet ist sie am Ende. Kommunikation bedeutet für Luhmann Anschlussfähigkeit durch Verstehen der Differenz. Luhmann sagt, dass die Massenmedien wie das Fernsehen, dazu führen, dass Konsens entsteht. Das, und damit denke ich Luhmanns Theorie weiter, heißt aber, dass im Internet (ganz im Sinne von Clay Shirky´s “Here comes Everybody” http://www.herecomeseverybody.org) es darum geht, die Vielfalt der Meinungen darzustellen… (Das passt übrigens auch vor dem Hintergrund der Sinus-Studie sehr gut…) Ich habe mal eine PPT dazu erstellt:

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Hochschulen in Second Life …

Montag 2. März 2009 von admin

… das war der Titel einer Veranstaltung der Universität Frankfurt. Nun sind die Audiofiles der Vorträge online. Spannend was es alles da zu hören (und sehen) gibt - vor allem die VHS Goslar begeistert - und mein Kollege Andre Boeing inspiriert wieder einmal! http://www.megadigitale.uni-frankfurt.de/events/SL2008/index.html 

eLearning-Fachforum: Hochschulen in Second Life und anderen virtuellen Welten

19. Januar 2009, 10-17 Uhr, Goethe-Universität Frankfurt/Main, Campus Westend Casino, Raum 1.801

Durch Technologieanbieter wie Linden Lab und dem Produkt Second Life  aber auch Spielwelten wie World of Warcraft wird es zunehmend einfacher 3D-Szenarien zu eigenen Zwecken zu nutzen und zu entwickeln. Nachdem die virtuelle Welt Second Life ihren ersten Einbruch erlebte was die kommerzielle Nutzung anbelangt, versuchen immer mehr Weiterbildungsunternehmen die Möglichkeiten von Second Life auszuloten. Laut Eduserve, beschäftigen sich bereits über 80 Prozent der Schulen und Hochschulen mit solchen Einsatzszenarien. Das Fachforum beleuchtete den Stand der Erprobung und der Diskussion zum Einsatz vom Second Life aber auch anderer 3D-Welten im Weiterbildungskontext deutscher Bildungsanbieter.

Eine persönliche Notiz: Durch meinen Umzug ist leider etwas Verzug ins virtuelle Dasein gekommen, ich hoffe diesen nun aufarbeiten zu können.

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Der Papst in YouTube

Montag 26. Januar 2009 von admin

vaticaninyoutube.jpgvaticaninyoutube.jpgvaticaninyoutube.jpg
Lange habe ich darauf gewartet, diese Meldung zu bringen! Aber es war absehbar, dass es so kommen wird. Am 24.1.2009 hat der Vatikan seine Pläne bekannt gegeben. 2009 wird das Jahr der Netzinkulturation. Die Inkulturation ins Internet und die Nutzung von Web 2.0 Tools stehen ganz oben auf der Agenda.
Hier ist der direkte Link zum neuen Papstkanal auf YouTube: http://www.youtube.com/vaticande Und das ist erst der Anfang. Der Vatikan prüft weitere Möglichkeiten wie Facebook etc.

Aus Sicht eines Unternehmensberater: Die oberste Führungsebene hat Einsicht gezeigt und die Nützlichkeit des Internets erkannt. Spannend ist die Frage, wie diese Einsicht in der mittleren und unteren Ebene umgesetzt werden kann: Der Pfarrer vor Ort wird mit dieser Medienkampagne erstmal wenig anfangen können. Es bedarf Schulungsangebote, die es ermöglichen, dass der Einsatz von Tools wie YouTube, Facebook, StudiVZ im praktischen Alltag geübt wird.

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Obama: Der erste Web 2.0 Präsident?

Sonntag 9. November 2008 von admin

Obama Der Erste Web20 Praesident
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Barack Obamas klarer Sieg bei der Wahl ist wohl auch auf seine geschickte Kampagne im Internet unter Einsatz von Web 2.0 Tools zurückzuführen. In Facebook und Myspace ist es sehr deutlich zu sehen: 80 / 20 ist das Verhältnis von Obamas Kontakten zu denen von McCain. Was sagt diese Zahl aus? Dass Facebook und MySpace User eher pro-Obama eingestellt sind? Sicherlich, das spielt auch eine Rolle, aber dennoch zeigt es auch, wie wichtig das Web 2.0 im Wahlkampf geworden ist.
Laut einer Umfrage von Pew Research haben sich 42% der jugen Amerikaner (18-29 Jahre) im Internet über die Kandidaten informiert. Das Spannende ist, welche Vorteile sich aus der Internetstrategie von Obama ergeben:

  • Spenden über das Internet genieren (während Clinton noch mit herrkömmlichen Spendengalas arbeitete)
  • Supporter im Internet um sich versammeln und koordinieren
  • Obamas Team konnte Aktionen über die Internetplattform my.barackobama.com koordinieren
  • Der entscheidende Faktor, vor allem in Hinblick auf die vielen Kontakte in den Online-Netzwerken (z.B. Facebook, MySpace): Eine kurze Reaktionszeit, d.h. Obama konnte fast ohne Zeitverzögerung auf Aussagen McCains reagieren. Er hatte praktisch seine eigene “Nachrichtenagentur” aufgebaut um die Öffentlichkeit via Internet / Web 2.0 zu erreichen.
  • Transparente Regierungspolitik über change.gov

Was denken Sie? Obama - der erste Web 2.0 Präsident?
Obama ist sich anscheinend auch bewusst, wie sehr ihm das Web 2.0 zum Sieg verholfen hat: Als eine der ersten Maßnahmen nach dem Wahlsieg hat er die Seite change.gov gestartet, mittels derer er die Transparenz seines Change-Programms duch Blogs und andere interaktive Formate gewährleisten will. Interaktive Möglichkeiten regen zum Mitmachen an.

Interessante Links:

  • http://netzpolitik.org/2008/vergleich-obama-kampagne-und-deutscher-internetwahlkampf/#more-6748
  • http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,589059,00.html
  • http://www.fastforwardblog.com/2008/03/05/how-obama-is-using-web-and-enterprise-20-in-the-us-primary-campaign/
  • http://off-the-record.de/2008/11/05/obama-und-der-siegeszug-des-web-20/
  • http://webtrends.about.com/od/web20/a/obama-web.htm

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Kath. Kirche startet in Second Life

Mittwoch 29. Oktober 2008 von admin

Endlich: Die katholische Kirche ist ab dem 1.11 offiziell in Seond Life vertreten. Das Erzbistum Freiburg wagt den Schritt.

Am 1.11 wird es unter http://slurl.com/secondlife/Arae/228/91/28 von 21-24 Uhr ein Programm geben. Sie werden mich dort als Yoda Shamroy finden. 

Im Rahmen des Projekt “Kirche in virtuellen Welten” vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg wird eine eigene kirchliche Präsenz in “Second Life” aufgebaut mit Möglichkeiten zu Begegnung und Gespräch, mit Wortgottesdiensten und Gebetszeiten, mit Bildungs- und Informationsangeboten. Die Professur für Religionspädagogik und Mediendidaktik der Universität Frankfurt ist Kooperationspartner.

Der offizielle Start des Projektes ist am 01.11.2008. Von 21 Uhr bis 24 Uhr wird es auf dem Projektgelände in Second Life ein Programm und Möglichkeit zur Begegnung geben. Alle Interessierten sind auch über diesen Termin hinaus herzlich eingeladen: http://slurl.com/secondlife/Arae/228/91/28 (Wenn Sie Second Life installiert haben und das Programm gestartet haben, kommen Sie durch das Anklicken des Links direkt zum Projektgelände)

Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter http://www.kirche-in-virtuellen-welten.de. In dem Video erhalten Sie einen  audiovisuellen Eindruck des Projektgeländes in Second Life:

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Platon als Vater des Web 2.0 ?!

Freitag 24. Oktober 2008 von admin

Platons Medienkritik

Im Phaidros bringt Platon eine überraschend aktuelle Kritik der Schriftlichkeit. Ein linearer Text ist seiner Auffassung nach kein Wissen. Es gibt keine Möglichkeit, ihn zu befragen. Er ist sogar gefährlich, denn der Leser könnte leicht den Eindruck bekommen, er wüsste - tut es aber nicht, da er nicht wie im mündlichen Dialog die Möglichkeit hat, den Geltungsanspruch der Aussagen zu überprüfen.

Der einzige Sinn der Verschriftlichung ist laut Plato die Reaktivierung von bereits Gewußtem. Der Dialog ist also für Platon der primäre Ort der Wissenserzeugung, er ist Philosophie  im eigentlichen Sinne. Der Gegenbegriff zum Philosophen (übsetzt: Freund der Weisheit) ist der des Doxosophen (übersetzt: Schein der Weisheit). Eine immer noch aktuelle Kritik, die viel Zündstoff für den Weiterbildungsmarkt und die (universitäre) Lehre enthält. Es erinnert mich sehr an die sehr bedenkenswerten Thesen, die Richard Gris in seinem neuen Buch “Die Weiterbildungslüge auftstellt. (Hier ein Interview in der Sueddeutschen).

Gut, was hat das mit Web 2.0 zu tun? Nun, Platon dürfte also laut seiner eigenen Theorie auch nichts schreiben - tat er aber. Warum? Nun, Platon hat einen neuen Stil kreiert: Den des dialogischen Schreibens. D.h. im Medium der linearen Schrift war Platon seiner Zeit schon so voraus, dass er seine Schriften als Dialoge niederschrieb. Es sind zwei Gesprächspartner die sich unterhalten, keine lineare Abhandlung. Im Prinzip ist das auch der Übergang, den man im Internet vom Web 1.0 zum Web 2.0 sieht: Erst statische Infomationsseiten, dann im Web 2.0 zunehmend kommunikative Seiten, die Dialog und Austausch ermöglichen.

Ein sehr spannender Artikel zur Vertiefung: http://www.linse.uni-due.de/linse/esel/arbeiten/medienkritik.html 

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Social Software & Web 2.0: Eine Herausforderung

Samstag 4. Oktober 2008 von admin

Im wunderschönen Religionspädagogische Studienzentrum (RPZ) Schönberg fand vom 3.-5.10 die diesjährige Fachtagung der Plattform des religionspädagogischen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (kurz RPI-virtuell) statt. Der Samstag begann mit einem hochkarätig besetzen Podium mit Dr. Andreas Mertin, Prof. Baumgartner und Prof. Trocholepczy.

Begleitet wurde die Tagung mit einem Wiki, in dem Materialien abrufbar sind, unter anderem ein Vortrag von Prof. Baumgartner zum Thema “Social Software & Web 2.0: Eine Herausforderung für soziale Lernprozesse”.

In seinem Vortrag reagierte Baumgartner auf die Frage nach der Qualität von online-kooperativ erstellten Inhalten mit der Feststellung, dass es eigentlich keine guten oder schlechten Inhalte gibt. Auch ein schlechter Wikipedia Artikel bspw. gibt im schulischen Umfeld Anlass, ihn besser zu schreiben. In dieser Sichtweise sind Inhalte immer prinzipiell zu bearbeitende. Inhalte sind weniger statische Konstrukte sondern gleichen eher offenen Prozessen.

Fünf Elemente von Social Software und Web 2.0 macht Baumgartner aus:

  1. Massenhafte Kooperation
    Es begann mit der Empfehlungsfunktion von amazon: “Wer dieses Buch gekauft hat, kaufte auch …”. Web 2.0 meint in dieser Sichtweise, dass nicht mehr Inhalte über Hyperlinks mit Inhalten verknüpft werden (Web 1.0) sondern Menschen werden mit Menschen verknüpft. Zwar ist dies bei der amazon Empfehlungsfunktion noch nicht der Fall (sie stammt ja auch aus dem Jahr 1997) - dafür zeigte Baumgartner aber andere Beispiele, wie Z.B. XING, citeulike.org, digg.com, library thing
    Früher, vor allem zu Zeiten der Gatekeeper Medien, galt das Prinzip: Erst filtern, dann publizieren. Zu Zeiten des Web 2.0 gilt der Grundsatz: Erst publizieren, dann filtern. Dabei betont Baumgartner die Weisheit der Masse (wisdom of the croud, Schwarmintelligenz, etc.). Digg.com führt er als ein Beispiel an, wie Inhalte erstellt und in einem zweiten Schritt dann von einer Community bewertet werden. In meinen Augen ist dies eine der interessantesten Entwicklungen: Zu sehen auch im Bereich Social Bookmarking, wie etwa bei Mister Wong: Hier wird eine Seite als gut bewertet, wenn möglichst viele Nutzer diese in Ihren öffentlich zugänglichen Bookmarks (=Social Bookmarks) führen. Wichtiger Nebeneffekt ist, dass Google solche Seiten sehr hoch im Ranking listet. Waren es früher zunehmend Wikipedia Seiten, die Google unter den ersten Treffern listet, sind es zunehmend Blogseiten und Social-Bookmarking Seiten, vor allem Mister Wong.
  2. Peer Production
    Im Prinzip ein alter Traum vieler Unternehmen: Die potentiellen Käufer entwickeln das Produkt mit. So etwa bei Lego unter http://factory.lego.com/. Hier kann der Kunde sein eigenes Legoprodukt kreieren und passend dazu online die Steine bestellen. Lego behält sich die neue Kreation als mögliches Modell für den Markt vor.
  3. Open Culture
    http://openwetware.org/wiki/Main_Page
  4. Sharing Cultures
    “Ein Professor teilt lieber seine Zahnbürste mit einem Kollegen als seinen Content” zitierte Baumgartner eine geläufige Redewendung. Dementgegen tritt Baumgartnerfür eine Kultur des Teilens von Inhalten  ein, wie etwa unter der Website des Projektes Open Educational Ressources http://www.oercommons.org/ (Mehr Infos zu dem Projekt gibt es hier: www.e-teaching.org/didaktik/recherche/oer/
  5. Acting globally
    Als Beispiel führte Baumgartner das Boeing 787 Vorgehen an: www.boeing.com/commercial/787family

Da der Netzwerkgedanke für das Web 2.0 entscheidend ist, waren einige Hinweise Baumgartners in Bezug auf das Communitybuilding aufschlussreich:
Der soziologische Reiz einer Community besteht darin, dass ich über die Kontakte meiner Kontakte eine höhere Informationsdichte erreiche, da mein enger Bekanntenkreis doch meist über einen ähnlichen Informationsstand verfügt. Die Formel dafür lautet, dass mit abnehmender Bekanntheit eines Individuums in einem Netzwerk die Informationsdichte zunimmt.
Ganz konkret ergeben sich für das Communitybuilding (aber auch für den Einsatz von e-teaching Elementen in Lernprozessen) folgende Konsequenzen:

  • Es muss ein Versprechen an den Nutzer gemacht und kommuniziert werden.
  • Der Mehrwert (Nutzen) darf nicht in der Zukunft eingelöst werden.
  • Es darf keine Hürden und keine Zäsur geben. (interessant in diesem Zusammenhang: Die Aussage, dass bei Wikipedia durch die Anmeldung der Vandalismus nicht weniger wurde gegenüber dem Zustand, dass auch nicht angemeldete Nutzer Inhalte verändern können)
  • Jeder neue Nutzer muss (individuell) begrüßt werden.
  • Es bedarf einer stilbildenden Kultur.
  • Es gibt keine Fehler die ein Nutzer machen kann.

Im Rückgriff auf Hippner (in: HMD - Praxis der Wirtschaftsinformatik, 43. Jg. (2006) No. 252, S.6-16) sind 6 Prinzipien von social software erkennbar:

  • Das Individuum bzw. die Gruppe steht im Mittelpunkt.
  • die Netze organisieren sich selbst (bottum up Struktur).
  • soziale Rückkoppplung, z.B. in Form von Bewertungen ist von großer Bedeutung (Social Feedback).
  • der Fokus liegt auf der Struktur der Information und nicht auf der Information selbst.
  • die Kommunikation des Individuums mit der Gruppe steht im Vordergrund (keine “one-to-one, sondern “one-to-many” oder “many-to-many” Kommunikation).
  • die Beziehungen der Personen untereinander werden sichtbar gemacht [ Diesen Punkt halte ich für den entscheidenden].

Aus den gesamten Podiumsbeiträgen, den Diskussionen und dem Referat von Prof. Baumgartner erscheinen mir die Mehrwerte von Social Software und Web 2.0 im Bereich Lernen:

  • Ermöglichen eines selbstregulierten Lernens - Stärken der Eigenverantwortung
  • Schnellere Aktivierung via Internet
  • Wandel von einer Bring- zur Holschuld
  • Soziales Kooperatives Arbeiten einüben und dadurch Soft Skills lernen
  • Öffnung der abgeschotteten Lernraums gegenüber der Öffentlichkeit und Stakeholdern
  • Transparenz des Lernvorganges / Prozesses nach außen
  • Motivation der Lernenden mittels des Einsatzes von neuen Tools
  • Stärkung der medialen Kompetenz
  • Sprachfähig zu machen und Selbstmitteilung ermöglichen

Social Software und Web 2.0: Eine Herausforderung für die Kirche!

Ein Artikel von Prof. Baumgartner zu dem Thema: http://peter.baumgartner.name/article-de/social-software_copers.pdf

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