Medienethisches Impulspapier : Medienkompetenz in der pastoralen Ausbildung und im Theologiestudium

Mittwoch 29. Juni 2011 von

Mainz, 29. Juni 2011. Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute das medienethischen Impulspapier „Virtualität und Inszenierung – Unterwegs in der digitalen Mediengesellschaft“ vorgestellt. In ihm wird die theologische Bedeutung der Medien, vor allem des Internets, erörtert. Zentrale Impulse für die kirchliche Medienarbeit sind demnach:

  • In der Ausbildung von pastoral Tätigen als auch im Studium der Theologie soll „Medienkunde“ ein verpflichtender Baustein werden. [115]
  • Ein Institut für Medienkompetenz, angesiedelt bei der DBK, soll die bereits vorhandenen Aktivitäten bündeln [116]
  • Crossmedialität ist das Gebot der Stunde, eine sinnvolle Vernetzung aller Distributionswege und ein jeweils angepasster  Medienmix (oder auch: Toolmix). [117]

Das Papier fußt auf der Grundannahme, das Authentizität in der Glaubensvermittlung der Schlüsselbegriff ist [119 und das gesamte Kap. IV].

Theologisch fußt das Dokument stark auf Comunio et progressio und greift dessen Grundgedanken auf: „Gemeinschaft und Fortschritt sind die höchsten Ziele der medialen Kommunikation“. Die Idee aus Communio et progressio wird aufgegriffen, das die neuen Medien die Menschen an einem runden Tisch versammeln. Besonders deutlich macht das Papier gegenüber Communio et progressio, dass die neuen Medien gerade auch die Wirklichkeit nicht nur erschließen, sondern auch konstruieren.

Kommentar:

Das Dokument analysiert treffend die Veränderungen und Herausforderungen die sich durch das Internet als neues Kommunikationsmittel ergeben. Die Impulse zur Verankerung der Medien/ Internetkompetenz sind sehr begrüßenswert und richtungsweisend. Bei der Analyse der Veränderungen würde ich sogar noch an einer Stelle einen Schritt weiter gehen und sagen, dass die Frage zum einen sicher ist, wie wir als Kirche mit den neuen Kanälen gewissen Zielgruppen/Milieus etc. crossmedial erreichen. Ich würde aber auch sagen, dass das Sender-Empfänger Schema nicht die ganze Realität des Web 2.0 beschreibt. D.h. es geht auch darum zu schauen, welche Beteiligungsstrukturen Kirche im Web 2.0 als wichtigem Teil der Medienwelt fördern kann. Ganz im Sinne der Theorie der Charismen im Netz, die unterstützt werden als weniger die Sicht auf die Web 2.0 Tools als Kanäle oder  Instrumente (das Wort begegnet häufiger) sondern als Räume bereits milieuspezifisch ausgeprägter Glaubensstrukturen neben den herkömmlichen. „Facebook ist meine Gemeinde“, so der Ausspruch von Brummer anlässlich der Vorstellung des Papiers. D.h. die Web 2.0 Tools sind nicht nur Instrumente, sie sind auch ein Stück weit die gelebte Glaubensrealität eines Teils der Menschen (vor allem der C-Milieus). Der Glaube inkulturiert sich in die durch die neuen Medien geschaffenen Räume: Netzinkulturation. Demnach bleibt die Frage „Wen erreichen wir wie mit welchen Mitteln“ als Kernfrage der PR und Medienarbeit relevant – Sie wird ergänzt um den Blickwinkel „Was bedeuten diese neuen Glaubens- und Vergemeinschaftungsformen für uns als Kirche?“.

Und dabei ist das Papier richtungsweisend und wirklich impulsgebend. Die gemachte Anregung zur Erweiterung ist besonders in Bezug auf die Aufgabenbeschreibung des geplanten Institutes interessant: Vernetzen, Unterstützten und eben auch zuhören, wie Glaube bereits neue Formen der Vergemeinschaftung findet, in durch und mit den neuen Medien.

Politische Forderungen sind ebenfalls enthalten, so etwa die nach der Einführung eines Faches Medienkunde an Schule. Auch die politische Dimension des Themas wird betont, indem die Netzpolitik zu einem zentralen Thema werden soll. Gerade auch die Bedeutung des Internets für die Bildungseinrichtungen wird betont.

Diese Punkte finde ich aus demokratischer Bürgersicht immens wichtig und auch für das Profil der Kirche in Deutschland wichtig. Deswegen ist für mich auch die Bewahrung der Netzneutralität entscheidend. Kirche kann hier auch eine historisch bedeutende Rolle einnehmen.

Mit solch einem Papier im Rücken freue ich mich auf die weitere Arbeit in an und mit der Netzinkulturation. Auch für die Arbeit in der universitären Ausbildung von Relgionslehrer/innen in Frankfurt und die Arbeit im Kompetenzzentrum Internet ist das Dokument eine wichtige Grundlage.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 29. Juni 2011 um 17:25 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

Ein Kommentar über “Medienethisches Impulspapier : Medienkompetenz in der pastoralen Ausbildung und im Theologiestudium”

  1. Die Kirche 2.0 Links im Juni 2011 | ThemaTisch Blog-Community schrieb:

    […] Die Deutsche Bischofskonferenz hat ein  medienethisches Impulspapier „Virtualität und Inszenierung – Unterwegs in der digitalen Mediengesellschaft" (PDF) vorgestellt. Darin wird deutlich, dass sich Kirche den Veränderungen einer digitalen Gesellschaft stellen will, beispielsweise wird die Vermittlung von Medienkompetenz als enorm wichtig betont.  Jürgen Pelzer kommentiert das Papier in seinem Blog.  […]

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