Media Markt - Weihnachten - und ein Lehrstück in Sachen Social Media PR- und Firmenpolitik

Mittwoch 7. Dezember 2011 von

Media Markt Shitstorm weihnachten KrippeKreischende Kinder, die seltsam traumatisiert wirken,  tanzen wie verrückt um einen Weihnachtsbaum - man fühlt sich an den Tanz um das goldene Kalb erinnert… eine Szene aus einem aktuellen Werbespot.

Laut Media Markt ist das eine ganz normale Weihnachtswerbung unter dem Gesamtslogan “Weihnachten wird unterm Baum entschieden”. Nicht nur, dass diese Kampagne von manch einem als nervend empfunden wird, es trifft viele Christen auch an einer empfindlichen Stelle, denn sie fühlen sich in ihren Wertvorstellungen verletzt. Weihnachten wird pervertiert zum reinen Kommerzereignis, dessen Güte sich an der Qualität der Geschenke entscheidet (die besten bekommt man natürlich im Media Markt).

Doch in Zeiten von Social Media regt sich Widerstand - und das zieht schnell große Kreise - zum Glück. Am Freitag, dem 2.12 denkt sich in Pegnitz M. Zink, dass sie etwas dagegen tun muss und startet einfach mal in Facebook die Event-Seite “Weihnachten wird in der Krippe entschieden” ohne zu ahnen, wie vielen sie damit aus der Seele spricht. Bis zum 7.12 hat die Seite weit über 10 TSD Fans generiert, es werden Boykottaufrufe gestartet, Emails an den Media Markt gesendet. ARD und Welt berichteten noch am Mittwoch, dem 7.12. Und wie reagiert der Media Markt? Nun, so wie man nicht mit dem Publikum in den Social Media umgehen sollte. Zunächst kommt die Presseerklärung wie eine Entschuldigung daher, doch dann entpuppt sich der Kern - eine Belehrung, die deutlich wird in einem Satz, der die ganze Haltung des Media Marktes ausdrückt: “Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, unsere Werbung nicht anders zu interpretieren, als sie gemeint ist.” - Ein Schuft wer hier denkt, der Media Markt wölle Weihnachten herabwürdigen. Das aber die Christen einfach zu wenig locker sind, die Werbung r i c h t i g zu verstehen, nämlich mit einem Augenzwinkern! Aber noch besser ist eigentlich der folgende Satz der Presseerklärung: “Uns ist bewusst, dass unsere Spots nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamtereignis des Weihnachtsabends zeigen und den eigentlichen Anlass des Weihnachtsfestes, die frohe Botschaft von Jesu Geburt, nicht vollumfänglich darstellen können.” Äh, lieber Media Markt, also jetzt muss ich sie wiederum bitten, ihre eigene Werbung nicht anders zu interpretieren als sie wirklich daherkommt - denn von der frohen Botschaft von Jesu Geburt - kommt imo nicht sehr viel in Ihren Spots herüber.

Jedenfalls bin ich sehr froh und dankbar für die Gegenaktion und werde es freudig weiter beobachten, wie sich Christen aus allen Bereichen unter dieser gemeinsamen Zielsetzung sammeln: Den Sinn der Weihnacht im Blick zu halten.

Die “Presseerklärung” im Sinne der offziellen Antwort auf Anfragen vom 7.12 im Volltext:

Sehr geehrter Herr XXX,

vielen Dank für Ihre Anfrage. Gerne nehmen wir hiermit unsere Stellung hierzu.

Sie beziehen sich auf unsere aktuelle Werbekampagne und kritisieren, der Slogan „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ sowie die szenische Umsetzung in unseren Spots würden religiöse Gefühle von Christen verletzen und das christliche Fest entwürdigen, weil es nur noch um Materielles ginge.

Media Markt ist ein in Bayern gegründetes, international tätiges und weltoffenes Unternehmen, das Mitarbeiter aus unterschiedlichsten Ländern und Kulturkreisen sowie verschiedenster religiöser Weltanschauung beschäftigt. Seien Sie vor diesem Hintergrund versichert, dass wir die religiösen Gefühle von Christen als auch von Angehörigen aller anderen Religionsgemeinschaften hoch achten. Von dem Vorwurf wir würden religiöse Symbole oder Glaubensinhalte in unserer Werbung herabwürdigen, möchten wir uns klar distanzieren.

Wir sind davon überzeugt, dass unsere aktuellen Werbespots nicht als eine solche Herabwürdigung verstanden werden können. Die Spots unserer Kampagne zeigen Ausschnitte aus unterschiedlichen Weihnachtsfesten. In allen Spots ist das gemeinsame Feiern im Kreise der Familie am Weihnachtsabend zu sehen. Unterschiedlichste Menschen packen ihre Weihnachtspäckchen aus – wobei wir die Freude sowohl bei den Beschenkten als auch bei den Schenkenden zeigen. Der religiöse Hintergrund von Weihnachten ist uns dabei natürlich bewusst. Dennoch ist es in den meisten Familien eine schöne Tradition, seinen Lieben zu Weihnachten ein Geschenk zu machen. Dies steht aus unserer Sicht in keiner Weise dem christlichen Verständnis von Weihnachten als Fest der Liebe und Freude entgegen. Wir zeigen in unseren Spots Szenen, die für viele Familien zu einem traditionellen Weihnachtsfest dazugehören. Auch das Aufstellen eines Weihnachtsbaums ist ein sehr alter Brauch, der mit den religiösen Ursprüngen des Weihnachtsfestes nicht ursächlich zu tun hat, aber gerne gepflegt wird – von Katholiken genauso wie von Protestanten. Die Ausschnitte, in denen sich Menschen sehr über ihre Geschenke freuen, sind liebevoll überzeichnet, so dass sie ein Schmunzeln auslösen. Wir haben dabei in der Vergangenheit stets die Erfahrung gemacht, dass die Menschen in Deutschland die Werbung von Media Markt so verstehen, wie sie gemeint ist: meist überzeichnet, aber immer mit einem Augenzwinkern und niemals gegen einzelne Personen oder Personengruppen gerichtet. Den Vorwurf, die aktuelle Kampagne würde ein christliches Fest zu einem beliebigen Ereignis herabwürdigen, möchten wir entschieden zurückweisen.

Der Slogan „Weihnachten wird unterm Baum entschieden“ weist lediglich auf den Vorteil unserer Weihnachtspreisgarantie hin, mit der wir unseren Kunden ein klares Versprechen geben: Das heißt: Sollte sich nach Weihnachten in dem Media Markt, in dem der Kunde einen Artikel - z.B. ein Geschenk - erworben hat, der Preis für dieses Produkt niedriger sein als zum Zeitpunkt des Kaufs, erstattet der Markt den Preisunterschied zurück. Media Markt gewährt die Weihnachtspreisgarantie bis zum 7. Januar 2011, sofern das Produkt noch verfügbar ist. Der Kunde kann sich also darauf verlassen, dass er vor Weihnachten unbesorgt bei Media Markt Geschenke kaufen kann, ohne sich darüber Gedanken machen zu müssen, ob das Präsent nach Weihnachten gegebenenfalls günstiger sein wird.

Vor diesem Hintergrund bitten wir Sie, unsere Werbung nicht anders zu interpretieren, als sie gemeint ist. Uns ist bewusst, dass unsere Spots nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Gesamtereignis des Weihnachtsabends zeigen und den eigentlichen Anlass des Weihnachtsfestes, die frohe Botschaft von Jesu Geburt, nicht vollumfänglich darstellen können.

Wir hoffen sehr, Ihnen unsere Sichtweise hiermit nachvollziehbar dargelegt zu haben und stehen für jegliche Rückfragen selbstverständlich jederzeit gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 7. Dezember 2011 um 23:14 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

7 Kommentare über “Media Markt - Weihnachten - und ein Lehrstück in Sachen Social Media PR- und Firmenpolitik”

  1. Werbe Fuzzi schrieb:

    Das ist doch der falsche Entschuldiungsbrief … der echte liest sich eher so …

    “Im Namen der Agentur Ogilvy-Mather bedanke ich mich für für die zusätzliche Aufmerksamkeit, die Sie unserem Kunden der Metro-Gruppe zukommen lassen. Hoffentlich fällt vom Glanz unserer genialen Kampagne auch ein wenig für Ihren Blog ab.”

  2. admin schrieb:

    :-) ist natürlich auch eine Sichtweise

  3. Oliver Preikschat schrieb:

    egal wie mal zum Media-Markt und der beauftragten Agentur steht, die Werbung erregt irgendwie immer die Gemüter und das ist sicher auch das Ziel gewesen.

  4. Tim Ebner schrieb:

    Hallo,

    den Fall MediaMarkt habe ich auch in meinem Beitrag zu Auslösern von Shitstorms aufgenommen. In dem Beitrag geht es darum, wie der Verstoß gegen gesellschaftliche Werte zu Shitstorms führen kann.

    Über kritische Kommentare, Likes und Shares würde ich mich freuen!
    https://www.facebook.com/ShitstormSchnueffler/posts/300635360036109
    http://bit.ly/shitstorm_ursachen

    Viele Grüße aus Münster

  5. Wie Reaktionen dämpfend oder fördernd auf Shitstorms wirken. | Primus Inter Pares schrieb:

    […] Eine sehr oft praktizierte Reaktion ist Ignoranz – einfach gar nicht reagieren. Oft geht dies nach hinten los: Der „Social Media Mob“ fühlt sich ungehört. Die Konsequenz: Einfach noch lauter schreien und noch mehr posten. So geschehen ist dies beispielsweise in den Fällen von Kia im Stop Killing Dogs Shitstorm, oder MediaMarkt. Bis heute hat das durch eine Facebook Nutzerin erstellte Kalender Event „Weihnachten wird in der Krippe entschieden“ eine Streuweite von knapp 140.000 Usern erfahren (nachlesen auf horizont.net | welt.de | presseportal.de | ftd.de | netzinkulturation.de). […]

  6. Durch Monitoring von Werten Shitstorms umschiffen | Primus Inter Pares schrieb:

    […] der materialistische Werbeslogan „Weihnachten wird unter’m Baum entschieden“ von MediaMarkt (netzinkulturation.de | welt.de | horizont.net) nicht das geeignete Mittel der Wahl, um die Beliebtheit des Gros der […]

  7. Tim Ebner schrieb:

    Und auch in meinen neuen Diplomarbeits-Beitrag zu Shitstorm Management habe ich diesen Fall aufgenommen (http://bit.ly/shitstorm_management ). Er ist Teil einer sechsteiligen Serie über Auslöser, Treiber und Wirkungen von Shitstorms.

    Viel Spaß beim Lesen – Feedback ist erwünscht, teilen wäre ebenfalls sehr nett.
    Vielen Dank und schöne Grüße aus Münster,
    Tim Ebner

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