Kirche im Web 2.0 - Ein Fazit

Freitag 15. Januar 2010 von

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Heute auf dem Honnefer Forum für Öffentlichkeitsarbeit habe ich versucht ein Abstract meiner 5 Jahre Erfahrung mit dem Einsatz von Web 2.0 im kirchlichen Bereich zu geben. Alles auf einer Grafik.

Dabei ist es immer deutlicher geworden, dass wir beim Thema Web 2.0 nicht über Techniken sprechen, sondern über anthropologische und theologische Aspekte. Das klassische Sender-Empfänger Modell ist uns so in die Wiege gelegt, wir müssen es aber verlassen und schauen, wie Glaubenskommunikation gelingt - denn das unterscheidet uns von der Telekom und anderen: Durch das persönliche Zeugnis einzelner, aus der je eigenen Peer-Group.

Die Firmen haben das schon im Bereich der Unternehmen lange erkannt und präfen den Begriff des Prosumenten, d.h die Firma produziert nicht mehr ein Produkt für die verschiedenen Zielgruppen, sondern bindet die Kunden direkt als Produzenten und Ideenegeber mit ein in den Prozeß. Das ist auch die Chance für die Kirche: Sie kann dabei unterstützen, das die Mitglieder in der digitalen Welt zu Glaubenszeugen werden und zur Matyria befähigt werden . Wie? Indem Sie die Charismen identifiziert. In den Communities bilden sich viele relgiöse Gruppen. Diese werden (zumeist) gegründet von Jugendlichen, die ein Charisma haben, eine Gabe - technisch aber auch die Gabe Menschen um sich zu scharen und für ein Thema zu gewinnen. Diese Entwicklung sollte gefördert und unterstützt werden.

Das beginnt damit, dass in vielen Bistümern der Zugang von Bistumsrechnern zu StudiVZ und anderen COmmunities nicht möglich ist. Ein ganz basale Angelegenheit: Auf dem Areopag, zu dem ich keinen Zutritt habe, kann ich nicht wirken. So sind denn auch viele pastorale Mitarbeiter vor das Problem gestellt, dass sie für die Jugendarbeit eigentlich den Zugang zu diesen Communities bräuchten, weil dort die Jugendlichen präsent sind, aber es von der Bistumsseite her nicht möglich ist.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Arbeit mit den MCKinseys und Co uns als Kirche absorbiert. Die Zielgruppendebatte überlagert die Diskussion. Vielleicht ist dies irreführend: Bei der Zersplitterung der Gesellschaft in 10 Milieus ist es nicht  möglich, 10 zielgruppenspezifische Ansprachen zu machen, es überlastet. Wir haben in der Kirche seit lange, seit Beginn, den Begriff der Charismen. Das Web 2.0 ermöglicht es uns, diese Charismen in Form von Personen auszumachen und zu unterstützen. Statt - Web 1.0 mäßig - die Zielgruppen anzugehen, geht es darum, die Charismen der unterschiedlichen Menschen zu fördern. Die Menschen an der pastoralen Front: Ehrenamtliche, Hauptamtliche, Firmkatecheten. Die Frage ist doch die: Wo können die Web 2.0 Tools einen bestehenden Zustand effektiver und attraktiver zu machen. Und das ist da wo Kirche passiert: Und das ist vor allem in den kleinen Gruppen vor Ort, Messdiener, Firmlinge, Jugendarbeit, Eine-Welt-Arbeit. Diese Arbeit vor Ort kann durch Wikis, Blogs, etc. sinnvoll und zeitsparend unterstützt werden. Wichtig ist, dass Jugendlichen aus der Generation der digital natives eingebunden werden. Pro-sumenten werden.

Wir sollten nicht Angebote für … machen, sondern mit - das ist die Botschaft des Web 2.0 - und die Chance!

Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 15. Januar 2010 um 08:02 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

8 Kommentare über “Kirche im Web 2.0 - Ein Fazit”

  1. Kirche im Web 2.0 – Ein Fazit « MatthiasHeil.de schrieb:

    […] Lesen Sie weiter: Kirche im Web 2.0 – Ein Fazit […]

  2. Evsche schrieb:

    Das Web 2.0 bietet auf jeden Fall die Möglichkeit wie an Menschen heranzukommen, indem man sie dort abholt, wo sie sind. Das ist in den letzten Jahren von Seiten der Kirchen zu wenig geschehen. Das ist eine große Chance, die man nicht ungenutzt lassen sollte.
    Allerdings befindet sich in der Grafik ein Fehler: Identifikation schreibt man, soweit ich weiß, immer noch ohne zwei “d”. :-)

  3. Mediales vom 15.1.2010 | Haiti, Model, Start, China, Bundesliga, Erdbeben | Blokster.de schrieb:

    […] Kirche im Web 2.0 – Ein Fazit Mehr auf […]

  4. Dorothee schrieb:

    bin ich voll und ganz mit einverstanden. Seit einem Jahr versuche ich mit wechelndem Erfolg eine Internetpräsenz unserer Gemeinde auf joomla!-Grundlage am Leben zu erhalten. Nachweisbar werden die Seiten während der Erstkommunionvorbereitung am meisten genutzt und auch genau darauf abgestimmte Inhalte. es wird noch dauern, bis auch Menschen aus der Gemeinde wirklich mitarbeiten. Wir haben 28 Registrierte, aber kaum aktive Nutzer. Jugendliche nutzen die Präsenz kaum, die erreiche ich eher über facebook. aber Ältere, die noch nicht lange im Internet unterwegs sind, probieren es aus.

  5. Jan Loffeld schrieb:

    Das ist der Punkt! In Zeiten, in denen sich die Zahl die normaler Multiplikatoren, oder theologisch präziser: Zeugen vermindert, (sog. kirchliche Hauptamtliche), zeigt uns der Geist Gottes, dass sich überall dort Kirche bildet, wo Menschen ihre Berufung als ChristInnen wahrnehmen. Auch und gerade im Web 2.0. Hier bekommt die Rede von der “Heiligung der Welt” durch das Vat II. sowie der Weltcharakter der Laien seinen eigenen, postmodern kompatiblen Ort. Denn Weltcharakter meint dann, dort zu sein, wo meine Fähigkeiten bzw. Lebensrhythmen mich hin verweisen und evtl. andere aufgrund ihres anderen Charismas nicht hinkommen bzw. -gehören. Damit ist die Laienfrage aus aller kirchlichen Binnenfixierung zu lösen und in ihren konziliaren Resourccen top aktuell. Daran wird eine künftig mögliche Form von Kirche sichtbar: Nicht wo jemand ist, der hauptamtlich bzw. gemeindlich motiviert einlädt, entsteht ausschließlich Kirche, sondern wo Menschen ihre BErufung erkennen, anderen unter dem Evangelium in den verschieden-heterogenen Lebenswelten sammlen. Das würde aber bedueten, mit postmodernen Lebensorten ernst zu machen und sie im Sinne von GS 1 als theologisch-pastorale relevante zu qualifizieren.

  6. geloggd » Web 2.0 in der Perspektive kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit « schrieb:

    […] ist offenbar auf fruchtbaren Boden gefallen. Zuetzt: Getwittert wurde auch sehr rege, auch zu dem Vortrag von Jürgen Pelzer. Tags »   #ksi, Öffentlichkeitsarbeit, facebook, Kirche, Social Networks, […]

  7. gouvernante schrieb:

    “Martyria” dürfte man auch gern mit “r” schreiben, das schindet vermutlich Eindruck bei dem eher klassisch sozialisierten kirchlichen Personal, das noch den Weg in eine Akademieveranstaltung findet ;)
    Ansonsten: Leben findet in den Social communities doch auch eher abends statt (zumindest ist das bei “meinen” jungen Erwachsenen so), wer sitzt da noch am Bistumsrechner hinter der firewall??

  8. Andrea Mayer-Edoloeyi schrieb:

    Volle Zustimmung! Die Argumentation mit der Stärkung der Charismen unterschiedlicher Menschen werde ich mir merken - es passt genau dazu, dass ich davon überzeugt bin, dass Kommunikation im Web 2.0 nur dezentral klappen kann - und im Verständnis, dass wir alle Kirche sind.

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