Archiv für die 'Nutzungsverhalten' Kategorie

Mehr Leitkultur als Leitmedium?

Freitag 9. November 2012 von admin

Poesie beschreibt die Bedeutung des Netzes: Das neue Funkkolleg des hr eröffnete am 3. Nov. 2012 das Thema „Wirklichkeit 2.0“ mit der ersten Sendung „Leitmedium Internet“. Ein toller Auftakt. Ein Kommentar dazu als Teilnehmer des Offenen Online Kurses:

Handelt es sich beim Internet um ein neues Leitmedium? Ja, und bereits in der Sendung wird deutlich, es ist noch mehr: eine neue Kultur, die vielfach noch unerkannt ist, aber dauerhaft durchaus das Potential enthält, zu einer Leitkultur zu werden, welche die Art und Weise unserer Zusammenarbeit, der Kommunikation und jenes seltsamen Konstrukts, das wir Gesellschaft nennen, verändert – ein schleichender Prozess.

Vielfach werden Studien zum Nutzerverhalten zitiert, geht es doch darum, faktisch zu belegen und zu bemessen, wie denn nun das Nutzerverhalten sei. Doch wer sollte es treffender ausdrücken als ein Dichter? Unter Verwendung einer Sprache die tiefer geht als reine Zahlenanalyse schrieb Anfang 2012 der polnische Dichter Piotr Czerski einen vielbeachteten Artikel in der Zeit (http://www.zeit.de/digital/internet/2012-02/wir-die-netz-kinder), aus dem der Kerngedanke der neuen Leitkultur Internet zitiert sei:

„Wir benutzen das Internet nicht, wir leben darin und damit. Wir sind im Internet aufgewachsen, deshalb denken wir anders.“

Das Internet verändert die Lebenswelt. Es ist mehr als ein Medium, wie der Dichter weiß:

„Das Internet ist für uns keine Technologie, deren Beherrschung wir erlernen mussten und die wir irgendwie verinnerlicht haben. Das Netz ist ein fortlaufender Prozess, der sich vor unseren Augen beständig verändert, mit uns und durch uns. „

Schnell hatte sich dafür der Begriff der „Digital Natives“ gefunden, den Marc Pensky sozusagen erfand. Er macht den Generationsschnitt ungefähr 1980 (+/-) fest. Die digital immigrants müssen die neue Technik und Kultur des Internets allerdings noch erlernen. Nun hat man schon ein grobes Raster zur Einteilung. Johannes Gauck ist es gelungen ebenfalls Anfang 2012 eine sehr fundierte Studie zum Internet-Nutzungsverhalten zu machen. Anders als Studien, die z.B. jeden Internetnutzer als Online bezeichnen, der einmal in der Woche privat online geht, führt Gauck noch eine dritte Kategorie ein, die gar nicht mal so unbedeutend ist: Die der Offliner.

Wohlgemerkt, diese gab es schon vorher, und andere Studien nennen sie ebenfalls, jedoch macht Gauck in seiner Studie einen erheblich größeren Anteil an Offlinern in Deutschland aus. In dieser Studie, der DIVSI Studie 2012 (https://www.divsi.de/divsi-milieu-studie), würde jemand, der einmal in der Woche online geht um z.B. Mails abzurufen nicht als Onliner zählen wie in anderen Studien. Warum? Der entscheidende Ansatz der DIVSI Studie beruht auf der Arbeit des Sinus Institutes und der Sinus Studien. Die DIVSI Studie macht die mentale Einstellung, die Frage, ob man das Internet lebt – oder nur nutzt (wenn diese Vereinfachung hier einfach einmal gestattet sei)  sehr genau in den zehn Milieus in Deutschland fest. (siehe DIVSI Studie). Viel deckt sich mit Prenskys Altersvermutung, aber eben nicht alles. DIVSI erklärt, warum es unter den jungen Nutzern, den digital natives Verweigerer gibt und unter den alten Hasen, den immigrants, so viele Heavy-User.

Aber interessanterweise entstehen auch in anderen Milieus, vor allem dem sozial-ökologischen, klar definiertes bewusstes Ablehnungsverhalten gegen die Möglichkeiten des Web 2.0 / Social Media. Zwar nutzt man in dieser Mentalität der digital Outsiders schon mal das Netz und mailt und kauft auch mal auf Ebay, aber man braucht das Netz nicht zum Leben.

Kurzum: Wer sich für die Internet-Mentalitäten interessiert, findet in der DIVSI Studie und der Sinus Verbraucheranalyse 2011 (VA 2011 – Mediennutzung) das beste zur Zeit erhältliche Material zur Lage in Deutschland. Dort erfährt man auch, dass beispielsweise das Milieu der Expeditativen mit 64% Facebooknutzern am aktivsten ist, während z.B. die Bürgerliche Mitte und die Traditionellen als Milieu in der Facebooknutzung unter 1o% liegen.

Der Dichter sei zum Abschluss nochmals zitiert – in einer Aussage, die in ihrer tiefgreifenden Beschreibung eines Wandels von Kultur, bedenkens-wert ist:

„Die Teilnahme am kulturellen Leben ist für uns keine Beschäftigung für den Feiertag. Die globale Kultur ist der Sockel unserer Identität, wichtiger für unser Selbstverständnis als Traditionen, die Geschichten unserer Ahnen, sozialer Status, die Herkunft oder sogar unsere Sprache.“

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Ich chatte also bin ich… neue Studie

Montag 18. Mai 2009 von admin

Eine neue Studie des Hans Bredow Institut beschäftigt sich mit der Frage, wie Jugendliche das Web 2.0 nutzen. Eine sehr aktuelle und präzise Bestandsaufnahme: http://www.lfm-nrw.de/presse/?id=651

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Social Software & Web 2.0: Eine Herausforderung

Samstag 4. Oktober 2008 von admin

Im wunderschönen Religionspädagogische Studienzentrum (RPZ) Schönberg fand vom 3.-5.10 die diesjährige Fachtagung der Plattform des religionspädagogischen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (kurz RPI-virtuell) statt. Der Samstag begann mit einem hochkarätig besetzen Podium mit Dr. Andreas Mertin, Prof. Baumgartner und Prof. Trocholepczy.

Begleitet wurde die Tagung mit einem Wiki, in dem Materialien abrufbar sind, unter anderem ein Vortrag von Prof. Baumgartner zum Thema “Social Software & Web 2.0: Eine Herausforderung für soziale Lernprozesse”.

In seinem Vortrag reagierte Baumgartner auf die Frage nach der Qualität von online-kooperativ erstellten Inhalten mit der Feststellung, dass es eigentlich keine guten oder schlechten Inhalte gibt. Auch ein schlechter Wikipedia Artikel bspw. gibt im schulischen Umfeld Anlass, ihn besser zu schreiben. In dieser Sichtweise sind Inhalte immer prinzipiell zu bearbeitende. Inhalte sind weniger statische Konstrukte sondern gleichen eher offenen Prozessen.

Fünf Elemente von Social Software und Web 2.0 macht Baumgartner aus:

  1. Massenhafte Kooperation
    Es begann mit der Empfehlungsfunktion von amazon: “Wer dieses Buch gekauft hat, kaufte auch …”. Web 2.0 meint in dieser Sichtweise, dass nicht mehr Inhalte über Hyperlinks mit Inhalten verknüpft werden (Web 1.0) sondern Menschen werden mit Menschen verknüpft. Zwar ist dies bei der amazon Empfehlungsfunktion noch nicht der Fall (sie stammt ja auch aus dem Jahr 1997) - dafür zeigte Baumgartner aber andere Beispiele, wie Z.B. XING, citeulike.org, digg.com, library thing
    Früher, vor allem zu Zeiten der Gatekeeper Medien, galt das Prinzip: Erst filtern, dann publizieren. Zu Zeiten des Web 2.0 gilt der Grundsatz: Erst publizieren, dann filtern. Dabei betont Baumgartner die Weisheit der Masse (wisdom of the croud, Schwarmintelligenz, etc.). Digg.com führt er als ein Beispiel an, wie Inhalte erstellt und in einem zweiten Schritt dann von einer Community bewertet werden. In meinen Augen ist dies eine der interessantesten Entwicklungen: Zu sehen auch im Bereich Social Bookmarking, wie etwa bei Mister Wong: Hier wird eine Seite als gut bewertet, wenn möglichst viele Nutzer diese in Ihren öffentlich zugänglichen Bookmarks (=Social Bookmarks) führen. Wichtiger Nebeneffekt ist, dass Google solche Seiten sehr hoch im Ranking listet. Waren es früher zunehmend Wikipedia Seiten, die Google unter den ersten Treffern listet, sind es zunehmend Blogseiten und Social-Bookmarking Seiten, vor allem Mister Wong.
  2. Peer Production
    Im Prinzip ein alter Traum vieler Unternehmen: Die potentiellen Käufer entwickeln das Produkt mit. So etwa bei Lego unter http://factory.lego.com/. Hier kann der Kunde sein eigenes Legoprodukt kreieren und passend dazu online die Steine bestellen. Lego behält sich die neue Kreation als mögliches Modell für den Markt vor.
  3. Open Culture
    http://openwetware.org/wiki/Main_Page
  4. Sharing Cultures
    “Ein Professor teilt lieber seine Zahnbürste mit einem Kollegen als seinen Content” zitierte Baumgartner eine geläufige Redewendung. Dementgegen tritt Baumgartnerfür eine Kultur des Teilens von Inhalten  ein, wie etwa unter der Website des Projektes Open Educational Ressources http://www.oercommons.org/ (Mehr Infos zu dem Projekt gibt es hier: www.e-teaching.org/didaktik/recherche/oer/
  5. Acting globally
    Als Beispiel führte Baumgartner das Boeing 787 Vorgehen an: www.boeing.com/commercial/787family

Da der Netzwerkgedanke für das Web 2.0 entscheidend ist, waren einige Hinweise Baumgartners in Bezug auf das Communitybuilding aufschlussreich:
Der soziologische Reiz einer Community besteht darin, dass ich über die Kontakte meiner Kontakte eine höhere Informationsdichte erreiche, da mein enger Bekanntenkreis doch meist über einen ähnlichen Informationsstand verfügt. Die Formel dafür lautet, dass mit abnehmender Bekanntheit eines Individuums in einem Netzwerk die Informationsdichte zunimmt.
Ganz konkret ergeben sich für das Communitybuilding (aber auch für den Einsatz von e-teaching Elementen in Lernprozessen) folgende Konsequenzen:

  • Es muss ein Versprechen an den Nutzer gemacht und kommuniziert werden.
  • Der Mehrwert (Nutzen) darf nicht in der Zukunft eingelöst werden.
  • Es darf keine Hürden und keine Zäsur geben. (interessant in diesem Zusammenhang: Die Aussage, dass bei Wikipedia durch die Anmeldung der Vandalismus nicht weniger wurde gegenüber dem Zustand, dass auch nicht angemeldete Nutzer Inhalte verändern können)
  • Jeder neue Nutzer muss (individuell) begrüßt werden.
  • Es bedarf einer stilbildenden Kultur.
  • Es gibt keine Fehler die ein Nutzer machen kann.

Im Rückgriff auf Hippner (in: HMD - Praxis der Wirtschaftsinformatik, 43. Jg. (2006) No. 252, S.6-16) sind 6 Prinzipien von social software erkennbar:

  • Das Individuum bzw. die Gruppe steht im Mittelpunkt.
  • die Netze organisieren sich selbst (bottum up Struktur).
  • soziale Rückkoppplung, z.B. in Form von Bewertungen ist von großer Bedeutung (Social Feedback).
  • der Fokus liegt auf der Struktur der Information und nicht auf der Information selbst.
  • die Kommunikation des Individuums mit der Gruppe steht im Vordergrund (keine “one-to-one, sondern “one-to-many” oder “many-to-many” Kommunikation).
  • die Beziehungen der Personen untereinander werden sichtbar gemacht [ Diesen Punkt halte ich für den entscheidenden].

Aus den gesamten Podiumsbeiträgen, den Diskussionen und dem Referat von Prof. Baumgartner erscheinen mir die Mehrwerte von Social Software und Web 2.0 im Bereich Lernen:

  • Ermöglichen eines selbstregulierten Lernens - Stärken der Eigenverantwortung
  • Schnellere Aktivierung via Internet
  • Wandel von einer Bring- zur Holschuld
  • Soziales Kooperatives Arbeiten einüben und dadurch Soft Skills lernen
  • Öffnung der abgeschotteten Lernraums gegenüber der Öffentlichkeit und Stakeholdern
  • Transparenz des Lernvorganges / Prozesses nach außen
  • Motivation der Lernenden mittels des Einsatzes von neuen Tools
  • Stärkung der medialen Kompetenz
  • Sprachfähig zu machen und Selbstmitteilung ermöglichen

Social Software und Web 2.0: Eine Herausforderung für die Kirche!

Ein Artikel von Prof. Baumgartner zu dem Thema: http://peter.baumgartner.name/article-de/social-software_copers.pdf

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Die wachsende Bedeutung der sozialen Netzwerke: Auch meine Nachbarin ist drin!

Dienstag 6. Mai 2008 von admin

Wer kennt wen

Vorgestern in der Online-Community www.wer-kennt-wen.de: Die Mutter meiner Nachbarin in meinem Heimatdorf möchte mich zu Ihren Kontakten hinzufügen. Moment!: Die Mutter wohlgemerkt! Passend zu diesem Phänomen kam eine interessante Meldung: Die Firma Datamonitor gibt Zahlen an, dass immer mehr ältere Menschen auf den Community-Zug im Netz aufspringen. Zur Zeit ist die Hitliste der “Social-Networker” in Europa:

  1. Großbritanien mit 9,6 Millionen Nutzern von Social Networking Diensten
  2. Frankreich mit 8,9 Millionen
  3. Deutschland mit 8,6 Millionen

Für 2012 prognostiziert die Firma 21,7 Millionen Nutzer, also knapp 1/3 der Bevölkerung. Warten wirs ab!

PS: www.wer-kennt-wen.de ist im Südwesten Deutschlands sehr verbreitet. Falls Sie mich dort treffen möchten: juergenpelzer ist mein Account bei wkw (wer-kennt-wen).

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Metaebene online-Recherche: Übersicht zu sozialwissenschaftlichen Studien zum Internet

Montag 5. Mai 2008 von admin

Es gibt nun eine wunderschöne Übersicht über Studien zum Thema Internet: Das Recherche Spezial 04/2008: Ein Überblick über aktuelle sozialwissenschaftliche Forschung zur Thematik „Generation Online: Medienkompetenz und Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen“ - herausgegeben von der Gesellschaft Sozialwissenschaftlicher Infrastruktureinrichtungen (GESIS).

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Generation Google: alles andere als fit fürs Netz! - und die Konsequenz für den Reli-Unterricht

Freitag 2. Mai 2008 von admin

Generation google
Eine aktuelle Studie der Sheffield University zur Google Generation (alles nach 1993) sorgt für Aufsehen: Demnach sind 20% der Jugendlichen digitale Dissidenten, 57% nutzen das Internet kaum was den Umgang mit Suchmaschinen und Informationsquellen angeht. Entgegen der Ansicht, die Jugendlichen hätten das Wissen um die neuen Technologien mit der Muttermilch aufgesogen, zeigt die Studie besorgniserregende Unkenntnis im Umgang mit Informationen im/aus dem Internet.

Wenn das Internet genutzt wird, dann nur oberflächlich, wie die Studienautoren bemängeln: “Es scheint, als würden sie online gehen, um das Lesen im klassischen Sinne zu vermeiden”. Die wenigsten Jugendlichen können dabei die Informationen aus dem Internet einordnen: “Die private Meinung irgendeines anderen Nutzers kann oft nicht von wissenschaftlichen Informationen unterschieden werden” meint Max Schmidt, Vorsitzender des bayrischen Philologenverbandes (bpv). Für viele Jugendliche hört das Internet bei google und wikipedia auf. Weitere Informationen gibt es hier.

Ergo: Die Studie zeigt deutlich (und das trifft sich auch mit den Ergebnissen der JIM Studie 2007), dass die Schüler einer Internetkompetenz bedürfen. Um diese zu vermitteln müssen sich aber erst einmal die Lehrer eine solche aneignen.

Im Gespräch mit Schülern über den Religionsunterricht erfahre ich immer wieder, dass diese das Internet gerade für das Thema Sekten und interreligiöser Dialog als Rechercheinstrument nutzen. Es würde sich doch anbieten, dass die Religionslehrer im Unterricht das Thema Internet aufgreifen - denn gerade für solch wichtige Themen wie Interreligiosität (mit dem die Schüler ja auch in ihrer Lebenswelt konfrontiert werden) bietet sich das Internet als Rechercheinstrument an. Das gilt imho auch für das Studium der Theologie. Das Projekt Bible World an der Uni Frankfurt oder die Internetwerkstatt in Sankt Georgen, Frankfurt, sind in meinen Augen vielversprechende erste Ansätze - was denken Sie?

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Social Networking: Communities unter der Lupe

Donnerstag 10. April 2008 von admin

Der Spiegel hat vor einiger Zeit schon (Feb. 2008) auf eine “Studie” aufmerksam gemacht: Was Communitynutzer wirklich wollen: Es heißt dazu: “Durchgeführt von der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Freundliche Netzwerke GmbH Ende 2007. 46 Community-Betreiber und 172 Community-Nutzer wurden befragt, 14 große Netzwerke à la MySpace inhaltlich analysiert.”

Ok, 172 Befragte lassen den Terminus “Studie” etwas deplatziert erscheinen. Auch ein n=1 in Grafik 3 ist mehr als fraglich in seiner Repräsentativität. Sprechen wir lieber von einer Befragung.

Was gibt´s inhaltlich? Nicht viel Neues. Ein paar schöne Schaubilder, die ausdrücken, was jeder Community Nutzer schon wusste: Wichtig fürs Marketing ist die Mund-Propaganda, Flyer werden wenig wahrgenommen. 31% der neuen Nutzer werden durch Weiterempfehlungsanreize gewonnen.
Bei den Funktionen fällt auf, dass die Nutzer eine “Ignorieren Funktion” (also andere Nutzer sperren zu können) sehr wichtig finden, die Unternehmen aber nicht. Wichtig sind den Nutzern auch Geburtstagsfunktionen, die wiederum die Unternehmen gering einschätzen. Anders herum sind Unternehmen die Funktionen wie RSS-Feeds, Widgets und Belohnungssysteme wichtig, während diese bei den Usern einen geringen Stellenwert haben.
Die Beweggründe für eine Mitgleidschaft sind: Freunde wiederfinden (73%), Freunde sind auch drin (70%), Neue Freunde finden (32%) - Sprich, Communities werden hauptsächlich genutzt um mit bekannten Personen in Kontakt zu bleiben. StudiVZ, XING und Stayfriends sind die am meisten genutzten Communites. Nachgefragte Features sind Geburtstagsfunktionen (70%), Suchfunktion (54%) und aktuelle Inhalte auf der Startseite (44 %) [Anmerkung in eigener Sache: Das war unser Gründungsprinzip bei www.kath.de].
Viel mehr gibt die Befragung nicht her und sie ist mit Vorsicht zu genießen, da sie nur 172 Befragte einbezieht. Spannend ist die Diskussion zu dem Artikel über die Studie im Spiegel online Forum. Fazit ist, dass der Reiz von Communities darin liegt mit Bekannten Personen in Kontakt zu bleiben.

Es handelt sich dabei aber um keinen kurzfristigen Hype. Vielmehr ist ein Paradigmenwechsel in der Gesellschaft im Gange. Das neue Paradigma ist das Profil. Die online-Communities sind das Tool, der Rahmen, einer heranwachsenden Generation, die im Wandel hin zur Wissensgesellschaft aufwächst. Formattechnisch gesehen sind sie die logische Weiterentwicklung der Email.
Interessanter als die “Bonn-Rhein-Sieg Befragung” ist die Grundlagenstudie Community Effects der Tomorrow Focus AG. Sie untersucht Werbung und Marketingmöglichkeiten in Communities. Zitat: “ Wichtig in der jungen Nutzerschaft von Social Networking-Angeboten wie piczo.com, FOCUS Campus oder schwarzekarte.de ist die Selbstdarstellung in der Peer-Group. Dies gilt auch in Bezug auf virale Marketing-Aktionen. So ist Musik für Teenager das wichtigste Medium der Selbstdarstellung und Identifikation. Es nimmt im Alltag der audio-visuell orientierten Community-Nutzer einen hohen Stellenwert ein.”

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Eucharistie online - Vortrag bei jungen Erwachsenen

Freitag 28. März 2008 von admin

Ich freue mich schon sehr auf Sonntag - dann werde ich in Münster in der Akademie Franz Hitze Haus innerhalb des Seminars “Die @ Generation” einen Vortrag vor jungen polnischen und deutschen Erwachsenen halten zum Thema Kirche online. Ich war bereits im Januar dort zu Gast und sehe mir gerade meine Auswertung des letzten Vortrags an. Vortrag? - das passt nicht so ganz, denn wie sagt mein Coach immer: Der Referent ist dem Zuhörer maximal 2 Minuten an Wissen voraus - deshalb sind meine Vorträge auch eher im Stil einer gemeinsamen Exkursion in den Bereich Kirche online. Letztes mal konnte ich einiges von den Jugendlichen lernen, was Ihre Erwartungen an eine Kirche online betrifft - darüber will ich kurz berichten:

Vorerfahrungen der Schüler mit Religion im Internet stellten sich als sehr gering bis nicht vorhanden heraus. Einige Schüler (ca. 4 von 30) hatten bereits einmal im Zuge des Religionsunterricht das Internet genutzt, um nach religiösen Inhalten (meist im Sinne eines interreligiösen Vergleiches) zu suchen und diese zu sichten. Eine wirkliche Vorstellungen von dem religiösen Angebot im Internet hatte keiner der Schüler.

In meiner Moderatorenausbildung bei W-Live habe ich die Teilnehmeraktivierung als Element bei längeren Einheiten schätzen gelernt. Sie bezog sich auf die Frage: „Habe ich ein besonderes Interesse an dem Thema, eine Frage, die ich gerne beantwortet hätte?“ Die Schüler zeigten hierbei ein großes Interesse an dem Themenbereich, was sich unter anderem in der Qualität der Fragen zeigte:

  • Mit welchen Themen präsentiert sich die Kirche online?
  • Ist die Kirche (altmodisch) nicht unvereinbar mit dem Internet (jung, dynamisch)
  • Hat die Kirche ein eigenes Profil online und wenn ja, wie zeigt sich das?
  • Welche Angebote hat die Kirche im Internet?
  • Benutzt die Kirche das Internet nicht nur als Köder um junge Leute anzulocken, die sonst gar nicht mehr für die Kirche greifbar wären? und: Will die Kirche sich einfach nur als cool verkaufen indem sie das Internet nutzt?
  • Wie präsentieren sich Sekten online
  • Welche Formen nutzt die Kirche im Internet?
  • Wird das Internet nicht auch zur Flucht in virtuelle Welten genutzt?
  • Wie ist die Erreichbarkeit der Kirche im Internet?
  •  Welcher Nutzen entsteht aus der Präsenz der Kirche im Internet – für die Kirche – für die Nutzer?
  • Wie steht es mit der Religionsfreiheit online – siehe Karrikaturenstreit?
  • Wer steht hinter den religiösen Angeboten, wie kann ich einen Urheber ermitteln
  • Wer ist Träger der kirchlichen Internetarbeit – Der Pfarrer?
  • Wie ist mit Anonymität im Internet – Kann ich sicher sein, dass ein Pfarrer in Second Life auch ein echter Pfarrer ist?
  • Wie stellt sich der Islam im Internet dar – wie nutzen Fundamentalisten das Internet zur Propaganda-Verbreitung

Bereits aus den Fragestellungen und aus den Diskussionen während des Vortrages kristallisierte sich ein ambivalentes Verhältnis der Jugendlichen zu Kirche (im Internet) heraus. Die Ausgangsbasis der Schüler war die Beobachtung, dass Kirche in Ihrem Leben nicht mehr präsent ist. Von daher kam die Frage, ob die Kirche das Internet nicht einfach nutze um sich einer Verjüngungskur zu unterziehen und auf dieses Weise die Jugendlichen zu werben suche.

Gleichzeitig ist aber eine große Erwartungshaltung an die Kirche deutlich geworden: Schüler erwarten Themen, die Ihre Lebenswelt entsprechen. Mehr noch als das, erwarten sie von der Kirche, dass diese deutlich Position bezieht und Missstände benennt. Die Verknüpfung beider Aspekte scheint im Sinne der Schüler eine gelungene Präsenz von Kirche im Internet auszumachen.

Das Religion und religiöse Themen aber auch jenseits von kirchlichen Präsenzen im Internet vorkommen und diskutiert werden, schien eine weitgehend neue Erkenntnis für die Schüler zu sein. Musterhaft wurde dies am Beispiel der Kampagne „Praise the lord“ in dem populären Videoportal You Tube gezeigt. Hier diskutieren Atheisten mit Christen per Videobotschaften über die Frage, ob es Gott gibt.

Die Schüler bestätigten weitestgehend die Ergebnisse der JIM Studie 2007 (zur Studie siehe meinen Blogbeitrag) in Ihrem Internetnutzungsverhalten: Communities wie SchülerVZ gehören fest zum Alltag der Jugendlichen (26 von 30 haben ein Profil), ebenso wie der Instant Messenger. Als Rechercheinstrument dient fast allen Google, Spezialsuchmaschinen oder Alternativen scheinen wenig bekannt. Interessant ist die Beobachtung, dass der Begriff Web2.0 unbekannt ist. Auch eine grundlegende medienpädagogische Kompetenz im Umgang mit dem Internet ist bei manchen Schülern noch wenig gegeben: ca. 30% glauben, dass ein Inhalt der ins Netz gestellt wird, schon von irgendjemandem vorher auf Richtigkeit geprüft wurde. Damit bestätigt sich in etwa auch das Ergebnis der JIM Studie, die diesen Wert mit 23% beziffert.

Kirche im Internet trifft in den Schülern ein kritisches aber auch aufgeschlossen-forderndes Gegenüber, dass im Prinzip die Werte der Kirche teilt. Doch scheinbar gelingt es der Kirche mit Ihrer Online-Präsenz nicht, den Schülern zu vermitteln, dass diese Ihre Werte innerhalb der Kirche leben und einbringen können.

Wenn ich dann aber eine Meldung wie heute lese (Domradio, 28.03 Titel “Boulevard erreicht Rom
Vatikan: Kritik an angeblicher Transsexuellen-Schwangerschaft”
) platzt mir sprichwörtlich der Geduldsfaden und es wundert mich nicht mehr, dass Jugendliche die Kirche meiden. Der Sprecher des mexikanischen Kurienkardinals hat scheinbar inhaltlich gesagt “Transsexualität sei generell gegen die Menschenwürde gerichtet”. Da bleibt bei mir nur die Frage: Sind wir wieder im Mittelalter? Die Aussage ist nicht nur unlogisch, da sie sich selbst nivilliert: Denn die Menschenrechte schützen ja gerade Außenseiter wie z.B. Transsexuelle, die eben wegen Ihrer Sexualität diskriminiert werden. Diese Aussage, dass Transsexualität gegen die Menschenwürde gerichtet sei ist auch verletztend gegenüber jenen, die diesen Weg für sich wählen - da hilft auch der feine Unterschied nicht, dass der Sprecher nicht von Transsexuellen spricht, sondern abstrakter von der Transsexualität. Bei mir hinterlässt eine solche Aussage nur Kopfschütteln. Dennoch freue ich mich sehr auf Sonntag und werde hier von den Eindrücken mit den jungen Erwachsenen berichten.

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Studie der AGOF zur Internetnutzung

Donnerstag 27. März 2008 von admin

Die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) veröffentlicht heute (27.03) die Zahlen der neuen Welle ihrer Markt-Media-Studie: die internet facts 2007-IV. Die aktuelle Welle der internet facts weist Reichweiten- und Strukturdaten für 385 Online-Werbeträger auf Angebotsbasis und 1.967 Belegungseinheiten aus.

Das spannende: Web 2.0 Angebote sind auch hier auf dem Vormarsch.

Hier finden Sie die ausführliche Version des Berichtsbandes der internet facts 2007-IV, untergliedert in 5 Bereiche:

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Studie Jugend, Informtion, (Multi-) Media

Mittwoch 5. Dezember 2007 von admin

Die JIM Studie 2007 (JIM steht für: Jugend, Information, (Multi-) Media) ist am 30.11.2007 erschienen. Sie untersucht detailliert den Medienumgang der 12-19 Jährigen und ist kostenlos abrufbar unter www.mpfs.de

Die Aussagen bestätigen die Vermutung, dass Internet das Medium der Jugendlichen ist - aber auch das Mediumum die Jugendlichen zu erreichen. Für die Kirche besteht hier dringender Handlungsbedarf,um die Chancen die das Internet bietet,in der Pastoral zu nutzen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Die Kernaussagen über Jugendliche und Internet:

- Themen die die Jugendlichen interessieren:
1. Liebe und Freundschaft (88%),
2. Musik (86%) ,
3. “Ausbildung und Beruf” (80%)
4. Internet (70%)
Schlusslicht: Politik (ca.15%)

- Die wichtigsten Medien:
1. Computer (25%)
2. Internet (22%)
3. MP3 Player (18%)
4. Fernsehen (15%)
… Schlusslicht: Zeitungen (2%)

Nennung des Internet nach Schularten:Hauptschüler: 17%, Realschüler: 20%, Gymnasiasten: 27%

- Zugang zum Internet:
95% haben Internet im Haushalt,
49% im persönlichen Besitz

- Nutzung:
täglich 114 Minuten
83% sind mehrmals pro Woche oder häufiger online

- Aktivitäten im Netz:
Kommunikation: 59% der online-Zeit
Information: 23% der online-Zeit
Spiele: 18% der online-Zeit

- genutzte Dienste:
1. Instant Messaging: (72%)
2. Emails (60%)
3. Musik hören (49%)
4. Informationssuche (nicht Beruf) (40%)…chatten (30%) (knuddels.de kennt jeder 3.)Schlusslicht: Weblogs lesen (6%)

- genutzte Seiten:
Suchmaschinen 21% (Google 12%)
Social Web Angebote (schülerVZ, YouTube etc.) 19%

- web 2.0 - Inhalte einstellen
Jungen: 30%
Mädchen: 19%

- web 2.0 Dienste
wikipedia: 4% aktive Nutzung, 78% passive Nutzung
YouTube: 9% aktive Nutzung, 60% passive Nutzung
MySpace: 7% aktive Nutzung, 17 passive Nutzung

- Aussagen:
Die meisten meinerFreundInnen beschäftigen sichmit dem Internet66% Zustimmung
Internet ist für die Schule oderAusbildung nützlich70% Zustimmung
Über das Internet kann man gutneue Leute kennenlernen37% Zustimmung
Über das Internet wird viel zu vielAufhebens gemacht20% Zustimmung
Internet gehört heute einfachdazu63% Zustimmung

- Vertraulichkeit:
7 % (bei den 12-14 Jährigen sogar 40% ! gehen davon aus, dass im Internet präsentierte Inhalteauf Richtigkeit hin überprüft worden
19% sind weitgehend davon überzeugt.

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