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Immer „innerCircle“? - Lagebericht zur Kirche im Web

Freitag 20. März 2015 von admin

Sie haben es getan. Einen ganzen Tag lang: Die deutschen Bischöfe haben sich am 26. Februar 2015 dem Thema der sozialen Medien verschrieben. Das Thema ist also aktuell. Das zeigte auch die Tagung „Kirche im Web 2.0“ am 19./20. März 2015 in Münster: 

Bei den Beobachtungen der gut 80 Teilnehmenden waren einige Erfahrungen sehr häufig zu hören. Mögliche Lösungsansätze, die weiterführen, wurden ebenfalls diskutiert. Eine Übersicht als Erfahrungsbericht

(Dieser Artikel als PDF: http://bit.ly/1ANLHOX).

Thema „inner circle“: Auf zu neuen Ufern 

  • Die Vernetzung der kirchlich aktiven Kommunikatoren wird zunehmend als „inner circle“ wahrgenommen. Es werden mittels Facebook Aktionen und anderen Kommunikationskanälen oft „immer dieselben Verdächtigen“ erreicht. Es gelingt selten andere (Sinus-)Milieus zu erreichen. Die entscheidende Frage ist, wie dieser „inner circle“ durchbrochen werden kann? Erste Projekte wie ICE-Net zeigen Erfolge dabei, bei neuen Zielgruppen anzukommen.

Thema Kanalfrage: Wo engagieren? 

  • Die Vielfalt an Kanälen nimmt zu. Die Facebook Nutzung nimmt ab. Differenzierter betrachtet bleibt aber festzuhalten, dass zwar das aktive Einstellen von Inhalten in Facebook abnimmt und im Bereich des direkten Messanging WhatsApp zunimmt, dass aber Facebook nach wie vor wahrgenommen wird. Das Bedienen von WhatsApp wird gerade in der Jugendarbeit immer wichtiger. Hilfreich kann dabei die neue Web-Funktionalität sein: https://web.whatsapp.com – Zur Nutzung von Facebook ist nach wie vor die Studie der BLM relevant: http://www.blm.de/files/pdf1/Studie_Relevanz_der_Medien_2013.pdf

Thema Relevanz der Inhalte (Cat-content): Tiefe erzeugen 

  •  Zum einen nimmt die Aufmerksamkeitsspanne für Inhalte in den sozialen Medien generell ab. Zum Anderen nimmt die Geschwindigkeit der Veröffentlichung zu („Realtime rulez“). Das und weitere Umstände führen dazu, dass sich die Frage stellt, was eine theologische Relevanz von Inhalten ausmacht. Anders gefragt: Wie können religiöse Inhalt als genuin religiöse Inhalte in den sozialen Medien wahrgenommen werden. Die häufig geäußerte Beobachtung ist, dass auch gerade religiöse Inhalte zunehmend verflachen und dem Gesetz der Aufmerksamkeitslogik unterliegen. Dem gegenüber wurde die Frage diskutiert, was eine Kommunikation des Evangeliums denn bedeute? Informationsvermittlung, Diskussionsanregung, …?

Thema Strategie für soziale Medien: Engagement 

  • Es wird deutlich, dass die Arbeit in den sozialen Medien immer weniger nur von ein paar Hauptamtlichen geleistet werden kann. Unter den beiden Voraussetzungen, dass eher Personen als Institutionen im Netz wirken und das eine hohe Wahrnehmung (Awarness) für Inhalte durch möglichst viele Influencer (Multiplikatoren) geleistet werden kann, stellt sich die Frage nach dem Engagement und der Förderung von medienaktiven Christen. Dies wird besonders im Bereich der Jugendarbeit als wegweisend gewertet, ist aber auch in anderen Alterssegmenten angezeigt, vor allem, da die Silversurfer immer aktiver werden. So wäre es bspw. vorstellbar, dass eine Gemeinde eine Aktionsgruppe für das Internet und die sozialen Medien gründet. Besonders erfolgreich sind auch in Einrichtungen Teams für die Webpräsenzen, in denen junge Menschen, wie etwa Buftis, Praktikanten etc. eingesetzt werden. Auch die Idee eines Medienapostolats rückt wieder verstärkt in den Vordergrund.

Thema Bedeutungsverlust in der Wahrnehmung des Themas 

  • Es gibt das Signal, dass sich viele Nutzer (unter anderem auch Leitungen) aus Facebook wieder abmelden. Das könnte das fatale Signal ausstrahlen, dass der „Hype“ um die sozialen Medien vorbei ist und dadurch das Thema und die Nutzung wieder aus dem Fokus der kirchlichen Wahrnehmung gerät. Hierin liegt eine große Gefahr für die kirchliche langfristige Nutzung der sozialen Medien. („Social Media muss im Arbeitsalltag ankommen“). D.h. die Gefahr liegt darin, dass das Thema aus dem Bewußtsein gerade der Leitungsebene schwindet, da es nicht mehr „en vogue“ ist und nicht gesehen wird, wie sehr der Alltag von den sozialen Medien durchdrungen ist. (Stichwort: „Das wirklichen Revolutionen geschehen im Geheimen“)

Thema Nachwuchsfindung durch soziale Medien: Eine neue Generation 

  • Eine weiterführende Frage, die sich daraus ergibt, ist die Überlegung von Nachwuchsfindung über das Internet: Bereits auf der #kiw13 Tagung 2013 wurde das Thema der Nachwuchsgewinnung durch die sozialen Medien stark genannt. Dahinter steht nicht nur die Frage des Kanals, sondern auch die Frage, wie denn die diese Medien nutzende Generation inhaltlich für die Aufgaben in der Kirche interessiert werden können. 

Weitere Beobachtungen: 

  • Die Kommentarfreudigkeit nimmt ab (zunehmend „Gucker“) und es werden auch immer mehr Trolle und deren Unwesen sichtbar.
  • Die Vernetzung sowohl innerhalb bestehender Strukturen (wie Bistümern) als auch darüber hinaus sollte weiter gestärkt werden. („Vom Einzelkämpfer zum Netzwerker“)

CONCLUSION: Das Web als Resonanzboden des Evangeliums

  • Das soziale Web ist eine Kontrastfolie: Gesellschaftliche Entwicklungen werden in den sozialen Medien wahrgenommen und es erfolgen Reaktionen und Stellungsnahmen. Und diese verstärken sich durch den viralen Effekt der sozialen Medien mitunter immens. Andererseits werden auch sonst kaum wahrnehmbare Entwicklungen verstärkt, so dass sie erst durch die sozialen Medien groß und wahrnehmbar werden. Dies gilt gerade auch für religiöse Entwicklungen. Wobei der Begriff dessen, was religiös, christlich bzw. katholisch ist, stark nach dem Deutungsmuster variiert, das zugrunde gelegt wird. Anders ausgedrückt: Das Problem ist das alte Paradox von der Laterne und dem Schlüssel: In einer dunklen Nacht gibt ein Suchender einem Passanten folgende Antwort auf die Frage, was er denn suche: Ich suche meinen Schlüssel, ich habe ihn zwar nicht unter der Laterne verloren, aber hier ist es wenigstens hell und ich sehe etwas. Mit dem Blick auf die religiösen Entwicklungen des Internets stellt sich die Frage, ob religiöse Entwicklungen denn auch immer als solche erkannt werden (können). Welche Instrumentarien und Deutungsmuster des Transzendenten haben wir dafür?

  • Das untrügliche Gespür des Glaubensvolkes, der sensus fidelium, aber auch der allen Menschen zu eigen seiende ‘Glaubensinstinkt’ (instinctus fidei - die religiöse Anlage des Menschen), führen dazu, dass Menschen immer wieder auf Ungerechtigkeiten eines Systems, eines Unternehmens, einer Organisation, einer Interaktion etc. aufmerksam werden. Und, oftmals unter hohen persönlichen Opfern, treten diese Menschen dann für eine Besserung ein, sei es bei den Menschenrechten, der Verteilungsgerechtigkeit, der Massentierhaltung, der Umweltzerstörung etc. So kann auch die Vegan-Bewegung durchaus in der schöpfungstheologischen Dimension verankert und als Element des Religiösen gesehen werden. Dabei kommen nicht genuin neue Aspekte zu tragen, aber es werden bestimmte Facetten der religiösen Dimension (Botschaft, etc.) deutlich, die angesichts der aktuellen Zeitumstände besonders wichtig sind.

  • Dieses Potential, dieses Gespür für die Möglichkeit einer anderen Welt, kann ein Deutungsmuster sein, um auf theologische Entwicklungen durch, in und mit den sozialen Medien aufmerksam zu werden. Dadurch minimiert sich auch die Gefahr des „inner circle“ Problems. 

 Jürgen Pelzer,  19.03.2015

(Dieser Artikel als PDF: http://bit.ly/1ANLHOX)

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Eine kirchliche Internetstrategie auf Basis der Charismen

Donnerstag 18. März 2010 von admin

Charismen im Internet
Eine spirituell-theologische Grundlegung einer kirchlichen Internetstrategie

[Der Artikel als PDF Datei]
[Die Powerpointpräsentation der Tagung Kirche im Web 2.0 - März 2010]

kirche20.jpgWelche Möglichkeiten bietet das Internet der Kirche? Diese Frage leitet mich in meiner Arbeit. Nach einem ersten Vortrag mit positiver, anregender Resonanz im KSI in Bad Honnef im Januar 2010 habe ich meine Charisma-orientierte  kirchliche Internetstrategie einmal etwas ausgefaltet, in der Akademie Stuttgart im März 2010 zur Diskussion gestellt, und will Sie hier in der aktuellen Version öffentlich zur Diskussion anregend zur Verfügung stellen. Ganz dem phänomenologischen Ansatz verbunden in drei Schritten: Sehen – Urteilen – Handeln. Kern dieser Strategie ist es, nicht mehr im klassischen Sender-Empfänger Modell zu denken. Es geht also nicht um die Frage, wie erreichen wir wen über das Internet mit welcher Botschaft, sondern zu schauen, wo im Internet bereits Aktivitäten sind, und diese dann gezielt zu unterstützen. Diese Unterstützung kann in verschiedenen Formen geschehen: Es geht darum zu schauen, wo bereits Energien im Internet sind und diese zu unterstützten. Die Aufgabe der kirchlichen Internetstrategie besteht in diesem Modell primär im Unterstützen:

Sehen wir die Fakten:

·         Soziale Netzwerke als Killer-Applikation des Netzes:
Jugendliche und junge Erwachsene nutzen das Internet sehr häufig – ca. 1-2 Stunden täglich. Dabei stehen neben Wikipedia, Google und YouTube ganz klar die Sozialen Netzwerke (StudiVZ, SchuelerVZ, Facebook) im Mittelpunkt der Internetnutzung. Die JIM Studie und die ARD ZDF Online Studie belegen diesen stabilen Trend.

·         Religion ist auch in den sozialen Netzwerken präsent:
In den sozialen Netzwerken bilden sich ohne organisationelle Anregung, Unterstützung oder Finanzierung viele religiöse Gruppen. (siehe Studie der Goethe Universität).

·         Die Gemeinden, Einrichtungen und Verbände haben kaum eigene Ressourcen:
Die Hauptpräsenz von Kirche geschieht an den Schnittstellen, d.h. in den Gemeinden / Seelsorgeeinheiten, Einrichtungen, Verbänden, Gemeinschaften der Gemeinden (je nach Bistum variieren die Namen dieser Einheiten). Dort sorgen tausend Hauptamtliche und Ehrenamtliche für den Kontakt der Menschen (und Jugendlichen) mit Kirche. Dieser Mitarbeiter sind nicht zuletzt durch Umstrukturierungsprozesse zeitlich und finanziell bis über die Grenzen ausgelastet. Ressourcen stehen kaum zur Verfügung. Dennoch sehen diese Mitarbeiter, nicht zuletzt aufgrund von Erfahrungen mit eigenen Kindern oder Kontakten zu Jugendlichen, den fundamentalen Wandel in der Art und Weise, wie Jugendliche kommunizieren. Oft fehlt Ihnen aber das Verständnis der jeweiligen Leitung für die Bedeutung der Nutzung von Internet in der Arbeit. (diese Beobachtungen habe ich in vielen weiterbildung-live Workshops und Seminare immer wieder bestätigt bekommen)

·         Die Gesellschaft teilt sich in 10 Milieus:
Wir leben in der Sinus-Gesellschaft. Die Aufsplitterung der Gesellschaft in 10 etwa gleichgroße Milieus, die sich gegenseitig kaum noch verstehen, ist ein Fakt. Man kann es im realen Leben beobachten. Die Kirche erreicht mit ihren jetzigen Angeboten (Sonntagsgottesdienste, Pfarrbriefe, Flyer) die Milieus der Traditionalisten, Bürgerlichen Mitte, Konservativen. Besonders die jungen Milieus, der Hedonisten, Modernen Performer, Experimentalisten sind dagegen besonders im Internet aktiv.

·         Die Ressourcen werden knapper:
Es ist mit einem massiven Rückgang der Kirchensteuer zu rechnen, der zu radikalen Veränderungsmaßnahmen und zu sinkenden Ressourcen führen wird.

Urteilen – Kriterien für den Erfolg

·         Motivation statt Überforderung an der Basis herstellen:
Eine erfolgreiche Internetstrategie muss darin bestehen, vor allem die Mitarbeiter an der Basis zu unterstützen und nicht zu überfordern. Oftmals sind Projekte auf der mittleren Ebene (Bistumsebene oder Vereinsebene) dadurch gekennzeichnet, dass sie hohen personellen oder finanziellen Aufwand erfordern. Es werden externe Agenturen beauftragt, die Webdesign, Technik etc. umsetzen und die Kosten für solch ein Projekt sind schnell im 4-5 stelligen Bereich. Auf die Mitarbeiter an der Basis hat dies die Signalwirkung, dass Internet a) eine kostspielige und b) eine aufwendige Angelegenheit ist. Das führt dazu, das Thema Internet mit Vorsicht zu behandeln. Hier kann eine Internetstrategie Motivation aufbauen, indem Sie nicht den Druck vermittelt, dass die Gemeinde nun noch viel Zeit, Energie und Geld in eigene Internetprojekten stecken muss. Im Gegenteil: Das Internet ist nicht ein neuer Kanal, der im alten Schema Sender – Empfänger wieder und zusätzlich aufwendig bestückt werden muss, sondern der die Möglichkeit bietet, die Potentiale des Internets zu sehen.

·         Eine Strategie muss die Sinusmilieus berücksichtigen:
Es ist nicht möglich, alle Milieus anzusprechen. Die Sinusstudie wurde in kirchlichen Kreisen auch deshalb lange Zeit nicht recht wahrgenommen, da die logische Frage „Was nun?“ nicht beantwortet werden konnte. Eine kirchliche Internetstrategie muss auf der Basis der Sinusmilieus ansetzen und die Frage beantworten, wie die verschiedenen Milieus vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen erreicht werden können? Muss der derselbe Inhalt in 10 verschiedenen Verpackungen angeboten werden, oder gibt es nicht doch ein über alle Milieus hinweg bestehendes, einzigartiges Verkaufsargument für Kirche?

·         Nachhaltigkeit durch Ressourcenschonung:
Eine Internetstrategie muss berücksichtigen, dass immer weniger hauptmatliches Personal, Kapitel und Zeit zur Verfügung steht, um eigene redaktionelle Inhalte zu bestücken.

Handeln

·         Grundthese: Die in den verschiedenen Netzwerken aus eigenem Antrieb aktiven religiösen Nutzer sind der Schlüssel einer kirchlichen Internetstrategie.

·         Die Charismen entdecken  und unterstützen:
Theologisch gesprochen, bieten die verschiedenen Netzwerke die Möglichkeit in den verschiedenen Milieus die Charismen (im Sinne von geistinspirierten Personen) zu identifizieren. Diese können gezielt unterstützt und gefördert werden. Dies sind die Kommunikatoren, Mediatoren des Evangeliums in den verschiedenen Milieus über das Medium Internet, dem primären Ort der Sozialisation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen (wie die BDKJ Sinusjugendstudie resümiert)
Wer sind diese Charismen? Das sind die Jugendlichen, jungen Erwachsenen, die religiöse Gruppen in den sozailen Netzwerken gründen und Gruppenmitglieder um sich scharen.
Wie sieht die Unterstützung konkret aus? Einfachste Ebene: Verlinkung. Viele der religiösen Gruppen in den Netzwerken sind nicht verlinkt mit der Webseite der Gemeinde Einrichtung etc. Beispiel: Die Pfarrgemeinde St. Hedwig hat eine Webseite. Uwe, der Obermessdiener hat aber schon längst in SchülerVZ eine Gruppe mit mittlerweile 26 Mitgliedern für die Messdiener von Sankt Hedwig angelegt. Beide Internetangebote stehen isoliert nebeneinander, statt aufeinander hinzuweisen. Die Initiatoren dieser Gruppen sollten Wertschätzung und Unterstützung erfahren, eingeladen werden, eingebunden werden in die Öffentlichkeitsarbeit.

·         Erstkontakt herstellen, auf die Menschen zugehen:
Neben der thematischen Gruppensuche in den Netzwerken bieten die meisten Communitys auch die Möglichkeit Personen nach Orten zu suchen. Neben den bereits aktiven religiösen Nutzern können dadurch auch neue Erstkontakte aufgebaut werden. Pfarrer Dr. Hermes macht dies bspw. in dem sozialen Netzwerk in XING (siehe Interview in der Studie der Goethe-Universität)

·         Blogger als Mediatoren im Netz:
Dasselbe gilt für christliche Blogger. Die erste Konferenz christlicher Blogger ist ein wichtiges Ereignis im Kirchengeschehen. Blogger werden in Ihrem Wert für die Kommunikation der Kirche noch kaum wahrgenommen.

·         Jugendliche ans Netz heranführen:
Ermutigung und Befähigung zum digitalen Zeugnis. Auf Diensten wie den sozialen Netzwerken oder wie blogger.com oder wordpress.com können Jugendliche ohne großen Aufwand eigene Gruppen bzw. Blogs anlegen. Kirche sollte vor Ort die Jugendlichen gezielt an das Medium Internet heranführen und diese Sprachfähig machen. (Natürlich müssen dazu ersteinmal die Hauptamtlichen diese Fähigkeiten gezeigt bekommen). Meine Erfahrung ist aber, dass viele meiner Seminarteilnehmer die Erfahrung machen, so ein Blog oder so eine Gruppe (z.B. in StudiVz oder Facebook) ist ja ganz einfach anzulegen und zu pflegen.

 

Vorteile der Strategie:

·         Es erfordert kaum Zeit-Ressourcen und keine technischen oder finanziellen Ressourcen.

·         Es stellt keine Überforderung dar, da die Umsetzung nicht auf den Schultern der Hauptamtlichen lastet.

·         Es bietet eine Möglichkeit, in den verschiedenen Milieus Kommunikatoren zu finden, ohne dass die Hauptamtlichen sich Gedanken machen müssen, wie Sie die 10 Milieus wohl erreichen können.

·         Erste Studien deuten darauf hin, dass die verschiedenen Milieus auch in verschiedenen Communities aktiv sind: So hat z.B. myspace ein anderes Publikum als die Business Community XING, und diese wiederum ein anderes Publikum als wer-kennt-wen. Die Vielfältigkeit der Sinusmilieus bildet sich also auch in den verschiedenen Communities ab.

 

Probleme der Strategie:

·         Es ist ein Kontrollverlust.

Fazit

·         Keine Strategie ohne Schattenseiten. Die Kernfrage ist: Sind die Schattenseiten es wert, in Kauf genommen zu werden, um
a) dadurch einen besseren Zustand zu erhalten in Bezug auf das ursprüngliche Problem (Kirche und Internet) und
b) angemessen auf die Ausgangslage zu reagieren?

Mein Fazit: Ja. Probleme werden sich auf dem Weg noch zeigen, manches Problem sich als erdacht herausstellen.

Flankierende Maßnahmen:

·         Der Charisma Gedanke sollte im Vordergrund stehen. Angefügt noch einige Überlegungen:

·         Arbeiten mit OpenSource Software. Viele Agenturen bieten ihren kirchlichen Kunden maßgeschneiderte Programmlösungen an, die lizenzpflichtig und mit einem hohen Pflegeaufwand verbunden sind. Die Weiterentwicklung wird meistens von Seiten der kirchlichen Kunden mitbezahlt. Open Source hingegen ist lizenzfrei und wird von der Community weiterentwickelt, aus dem Bestreben heraus, etwas Gutes zu tun. Meist sind diese Programme auch noch kostenfrei.

·         Arbeiten mit externen Dienstanbietern. Wer bei blogger.com oder wordpress.com einen Blog anlegt, muss nichts zahlen und hat auch keine Folgekosten für die technische Betreuung. Solche externen Dienstanbieter gibt es mittlerweile für alle Formate des Internets. So z.B. Wikispaces fürs Wikis. Dies kommt einer an Ressourcen immer ärmer werdenden Kirche entgegen.

Theologisch gesehen entspricht das auch dem Geist des II. Vatikanums, wie Andrea Mayer-Edoloeyi (www.andreame.at) mir dankenswerter Weise in der letzten Diskussion im Blog geschildert hat. Auch Andre Boeing danke ich für die anregenden Gedanken zum Resonanzgruppenmodell in der XING Gruppe Kirche im Internet.

Passend zu diesem Modell stelle ich – ganz dem OpenSource Gedanken verbunden – zur allgemeinen kostenlosen Nutzung eine selbst entwickelte Grafik zum Thema Kirche im Internet unter einer CC Lizenz zur Verfügung: Wer mag nutze Sie für Flyer, Webseiten, etc.

 

Die Grafik zum vergrößern und herunterladen bitte anklicken:

 

kirche20.jpg

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eine kirchliche Community… was kann und soll sie leisten? Lernen vom Kaffeemacher

Mittwoch 25. November 2009 von admin

Tchibo … momentan rauscht es ja im katholischen Internet:Startet Bertelsmann nun eine katholische Community cathoo.net oder doch nicht? Was ist der Mehrwert? Lohnt es sich noch (oder überhaupt) eine eigene katholische Community an den Start zu bringen? Viele sehen das Engagement eher skeptisch, weil unter anderem der Mehrwert nicht klar ist.
Bei der neuen Web 2.0 - Kampagne von Tchibo kam ich dann auf eine Idee: Was die katholische Kirche im Internet braucht, ist eine Plattform, ähnlich wie https://www.tchibo-ideas.de/  Die User schreiben hier über Probleme und andere User können Lösungen entwicklen oder schreiben. Tchibo schaut, ob brauchbare Ideen darunter sind und entwickelt daraus u.U. serienfertige Produkte. Ähnliche Ideen hatten ja auch schon P&G mit www.beinggirl.de und Starbucks mit www.mystarbucksidea.com. Vom Konsumenten zum Prosumenten (Mischung aus Konsument und Produzent - die klassischen Grenzen verschwimmen).

Ist das nicht auch das Entscheidende, was der Kirche im Web noch fehlt? So viele Probleme, und in allen Diozesen in denen ich tätig bin diesselben Herausforderungen - so oft wird das Rad neu erfunden, könnte da eine Problemlösecommunity nicht effektiv Abhilfe schaffen? Die Pfarrsekretärin, die in Ort x das Problem hat, das die Pfarrsekretärin aus y schon gelöst hat. Was denken Sie? Würde solch eine Fokussierung rein auf diese Problemlösemoment einer Community wie Bertelsmann sie plant den nötigen Mehrwert liefern? Denn was die Kirche im Web sicher nicht so sehr braucht ist ein katholisches Pendant zu StudiVZ, oder? Bin gespannt auf Eure / Ihre Meinungen…

Aufmerksam geworden bin ich unter: http://www.website-marketing.ch/4967-tchibo-ideas-so-funktioniert-zielgruppe-einbinden-im-web-2-0/

Kategorie: Community, Kirchenstrategie, Web2.0 | 4 Kommentare »

Der Papst in YouTube

Montag 26. Januar 2009 von admin

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Lange habe ich darauf gewartet, diese Meldung zu bringen! Aber es war absehbar, dass es so kommen wird. Am 24.1.2009 hat der Vatikan seine Pläne bekannt gegeben. 2009 wird das Jahr der Netzinkulturation. Die Inkulturation ins Internet und die Nutzung von Web 2.0 Tools stehen ganz oben auf der Agenda.
Hier ist der direkte Link zum neuen Papstkanal auf YouTube: http://www.youtube.com/vaticande Und das ist erst der Anfang. Der Vatikan prüft weitere Möglichkeiten wie Facebook etc.

Aus Sicht eines Unternehmensberater: Die oberste Führungsebene hat Einsicht gezeigt und die Nützlichkeit des Internets erkannt. Spannend ist die Frage, wie diese Einsicht in der mittleren und unteren Ebene umgesetzt werden kann: Der Pfarrer vor Ort wird mit dieser Medienkampagne erstmal wenig anfangen können. Es bedarf Schulungsangebote, die es ermöglichen, dass der Einsatz von Tools wie YouTube, Facebook, StudiVZ im praktischen Alltag geübt wird.

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