Archiv für Oktober, 2008

Kath. Kirche startet in Second Life

Mittwoch 29. Oktober 2008 von admin

Endlich: Die katholische Kirche ist ab dem 1.11 offiziell in Seond Life vertreten. Das Erzbistum Freiburg wagt den Schritt.

Am 1.11 wird es unter http://slurl.com/secondlife/Arae/228/91/28 von 21-24 Uhr ein Programm geben. Sie werden mich dort als Yoda Shamroy finden. 

Im Rahmen des Projekt “Kirche in virtuellen Welten” vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt Freiburg wird eine eigene kirchliche Präsenz in “Second Life” aufgebaut mit Möglichkeiten zu Begegnung und Gespräch, mit Wortgottesdiensten und Gebetszeiten, mit Bildungs- und Informationsangeboten. Die Professur für Religionspädagogik und Mediendidaktik der Universität Frankfurt ist Kooperationspartner.

Der offizielle Start des Projektes ist am 01.11.2008. Von 21 Uhr bis 24 Uhr wird es auf dem Projektgelände in Second Life ein Programm und Möglichkeit zur Begegnung geben. Alle Interessierten sind auch über diesen Termin hinaus herzlich eingeladen: http://slurl.com/secondlife/Arae/228/91/28 (Wenn Sie Second Life installiert haben und das Programm gestartet haben, kommen Sie durch das Anklicken des Links direkt zum Projektgelände)

Weitere Informationen zum Projekt gibt es unter http://www.kirche-in-virtuellen-welten.de. In dem Video erhalten Sie einen  audiovisuellen Eindruck des Projektgeländes in Second Life:

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Platon als Vater des Web 2.0 ?!

Freitag 24. Oktober 2008 von admin

Platons Medienkritik

Im Phaidros bringt Platon eine überraschend aktuelle Kritik der Schriftlichkeit. Ein linearer Text ist seiner Auffassung nach kein Wissen. Es gibt keine Möglichkeit, ihn zu befragen. Er ist sogar gefährlich, denn der Leser könnte leicht den Eindruck bekommen, er wüsste - tut es aber nicht, da er nicht wie im mündlichen Dialog die Möglichkeit hat, den Geltungsanspruch der Aussagen zu überprüfen.

Der einzige Sinn der Verschriftlichung ist laut Plato die Reaktivierung von bereits Gewußtem. Der Dialog ist also für Platon der primäre Ort der Wissenserzeugung, er ist Philosophie  im eigentlichen Sinne. Der Gegenbegriff zum Philosophen (übsetzt: Freund der Weisheit) ist der des Doxosophen (übersetzt: Schein der Weisheit). Eine immer noch aktuelle Kritik, die viel Zündstoff für den Weiterbildungsmarkt und die (universitäre) Lehre enthält. Es erinnert mich sehr an die sehr bedenkenswerten Thesen, die Richard Gris in seinem neuen Buch “Die Weiterbildungslüge auftstellt. (Hier ein Interview in der Sueddeutschen).

Gut, was hat das mit Web 2.0 zu tun? Nun, Platon dürfte also laut seiner eigenen Theorie auch nichts schreiben - tat er aber. Warum? Nun, Platon hat einen neuen Stil kreiert: Den des dialogischen Schreibens. D.h. im Medium der linearen Schrift war Platon seiner Zeit schon so voraus, dass er seine Schriften als Dialoge niederschrieb. Es sind zwei Gesprächspartner die sich unterhalten, keine lineare Abhandlung. Im Prinzip ist das auch der Übergang, den man im Internet vom Web 1.0 zum Web 2.0 sieht: Erst statische Infomationsseiten, dann im Web 2.0 zunehmend kommunikative Seiten, die Dialog und Austausch ermöglichen.

Ein sehr spannender Artikel zur Vertiefung: http://www.linse.uni-due.de/linse/esel/arbeiten/medienkritik.html 

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Social Software & Web 2.0: Eine Herausforderung

Samstag 4. Oktober 2008 von admin

Im wunderschönen Religionspädagogische Studienzentrum (RPZ) Schönberg fand vom 3.-5.10 die diesjährige Fachtagung der Plattform des religionspädagogischen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (kurz RPI-virtuell) statt. Der Samstag begann mit einem hochkarätig besetzen Podium mit Dr. Andreas Mertin, Prof. Baumgartner und Prof. Trocholepczy.

Begleitet wurde die Tagung mit einem Wiki, in dem Materialien abrufbar sind, unter anderem ein Vortrag von Prof. Baumgartner zum Thema “Social Software & Web 2.0: Eine Herausforderung für soziale Lernprozesse”.

In seinem Vortrag reagierte Baumgartner auf die Frage nach der Qualität von online-kooperativ erstellten Inhalten mit der Feststellung, dass es eigentlich keine guten oder schlechten Inhalte gibt. Auch ein schlechter Wikipedia Artikel bspw. gibt im schulischen Umfeld Anlass, ihn besser zu schreiben. In dieser Sichtweise sind Inhalte immer prinzipiell zu bearbeitende. Inhalte sind weniger statische Konstrukte sondern gleichen eher offenen Prozessen.

Fünf Elemente von Social Software und Web 2.0 macht Baumgartner aus:

  1. Massenhafte Kooperation
    Es begann mit der Empfehlungsfunktion von amazon: “Wer dieses Buch gekauft hat, kaufte auch …”. Web 2.0 meint in dieser Sichtweise, dass nicht mehr Inhalte über Hyperlinks mit Inhalten verknüpft werden (Web 1.0) sondern Menschen werden mit Menschen verknüpft. Zwar ist dies bei der amazon Empfehlungsfunktion noch nicht der Fall (sie stammt ja auch aus dem Jahr 1997) - dafür zeigte Baumgartner aber andere Beispiele, wie Z.B. XING, citeulike.org, digg.com, library thing
    Früher, vor allem zu Zeiten der Gatekeeper Medien, galt das Prinzip: Erst filtern, dann publizieren. Zu Zeiten des Web 2.0 gilt der Grundsatz: Erst publizieren, dann filtern. Dabei betont Baumgartner die Weisheit der Masse (wisdom of the croud, Schwarmintelligenz, etc.). Digg.com führt er als ein Beispiel an, wie Inhalte erstellt und in einem zweiten Schritt dann von einer Community bewertet werden. In meinen Augen ist dies eine der interessantesten Entwicklungen: Zu sehen auch im Bereich Social Bookmarking, wie etwa bei Mister Wong: Hier wird eine Seite als gut bewertet, wenn möglichst viele Nutzer diese in Ihren öffentlich zugänglichen Bookmarks (=Social Bookmarks) führen. Wichtiger Nebeneffekt ist, dass Google solche Seiten sehr hoch im Ranking listet. Waren es früher zunehmend Wikipedia Seiten, die Google unter den ersten Treffern listet, sind es zunehmend Blogseiten und Social-Bookmarking Seiten, vor allem Mister Wong.
  2. Peer Production
    Im Prinzip ein alter Traum vieler Unternehmen: Die potentiellen Käufer entwickeln das Produkt mit. So etwa bei Lego unter http://factory.lego.com/. Hier kann der Kunde sein eigenes Legoprodukt kreieren und passend dazu online die Steine bestellen. Lego behält sich die neue Kreation als mögliches Modell für den Markt vor.
  3. Open Culture
    http://openwetware.org/wiki/Main_Page
  4. Sharing Cultures
    “Ein Professor teilt lieber seine Zahnbürste mit einem Kollegen als seinen Content” zitierte Baumgartner eine geläufige Redewendung. Dementgegen tritt Baumgartnerfür eine Kultur des Teilens von Inhalten  ein, wie etwa unter der Website des Projektes Open Educational Ressources http://www.oercommons.org/ (Mehr Infos zu dem Projekt gibt es hier: www.e-teaching.org/didaktik/recherche/oer/
  5. Acting globally
    Als Beispiel führte Baumgartner das Boeing 787 Vorgehen an: www.boeing.com/commercial/787family

Da der Netzwerkgedanke für das Web 2.0 entscheidend ist, waren einige Hinweise Baumgartners in Bezug auf das Communitybuilding aufschlussreich:
Der soziologische Reiz einer Community besteht darin, dass ich über die Kontakte meiner Kontakte eine höhere Informationsdichte erreiche, da mein enger Bekanntenkreis doch meist über einen ähnlichen Informationsstand verfügt. Die Formel dafür lautet, dass mit abnehmender Bekanntheit eines Individuums in einem Netzwerk die Informationsdichte zunimmt.
Ganz konkret ergeben sich für das Communitybuilding (aber auch für den Einsatz von e-teaching Elementen in Lernprozessen) folgende Konsequenzen:

  • Es muss ein Versprechen an den Nutzer gemacht und kommuniziert werden.
  • Der Mehrwert (Nutzen) darf nicht in der Zukunft eingelöst werden.
  • Es darf keine Hürden und keine Zäsur geben. (interessant in diesem Zusammenhang: Die Aussage, dass bei Wikipedia durch die Anmeldung der Vandalismus nicht weniger wurde gegenüber dem Zustand, dass auch nicht angemeldete Nutzer Inhalte verändern können)
  • Jeder neue Nutzer muss (individuell) begrüßt werden.
  • Es bedarf einer stilbildenden Kultur.
  • Es gibt keine Fehler die ein Nutzer machen kann.

Im Rückgriff auf Hippner (in: HMD - Praxis der Wirtschaftsinformatik, 43. Jg. (2006) No. 252, S.6-16) sind 6 Prinzipien von social software erkennbar:

  • Das Individuum bzw. die Gruppe steht im Mittelpunkt.
  • die Netze organisieren sich selbst (bottum up Struktur).
  • soziale Rückkoppplung, z.B. in Form von Bewertungen ist von großer Bedeutung (Social Feedback).
  • der Fokus liegt auf der Struktur der Information und nicht auf der Information selbst.
  • die Kommunikation des Individuums mit der Gruppe steht im Vordergrund (keine “one-to-one, sondern “one-to-many” oder “many-to-many” Kommunikation).
  • die Beziehungen der Personen untereinander werden sichtbar gemacht [ Diesen Punkt halte ich für den entscheidenden].

Aus den gesamten Podiumsbeiträgen, den Diskussionen und dem Referat von Prof. Baumgartner erscheinen mir die Mehrwerte von Social Software und Web 2.0 im Bereich Lernen:

  • Ermöglichen eines selbstregulierten Lernens - Stärken der Eigenverantwortung
  • Schnellere Aktivierung via Internet
  • Wandel von einer Bring- zur Holschuld
  • Soziales Kooperatives Arbeiten einüben und dadurch Soft Skills lernen
  • Öffnung der abgeschotteten Lernraums gegenüber der Öffentlichkeit und Stakeholdern
  • Transparenz des Lernvorganges / Prozesses nach außen
  • Motivation der Lernenden mittels des Einsatzes von neuen Tools
  • Stärkung der medialen Kompetenz
  • Sprachfähig zu machen und Selbstmitteilung ermöglichen

Social Software und Web 2.0: Eine Herausforderung für die Kirche!

Ein Artikel von Prof. Baumgartner zu dem Thema: http://peter.baumgartner.name/article-de/social-software_copers.pdf

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