Archiv für März, 2008

Anti-Islam Video im Internet und die Bedeutung der Videoportale

Samstag 29. März 2008 von admin

Das Medieninteresse an dem Video “Fitna” des Niederländers Geert Wilders zeigt zwei Dinge: Zum einen, wie vergleichsweise einfach es durch das Internet geworden ist, global Aufmerksamkeit zu erzeugen. Zuerst versuchte Wilders ja erfolgslos bei den niederländischen Fernsehstationen seien Kurzfilm (ca. 10 Minuten) zu platzieren.

Zum anderen zeigt es, wie groß die Bedeutung der Videoportale mittlerweile in der öffentlichen Wahrnehmung geworden ist. Die inhaltliche Debatte möchte ich hier ausklammern, darüber berichten die Zeitungen zur Genüge. Ich lehne das Video übrigens vollkommen ab, da es durchweg populistisch und emotionalisierend ist.

Das Video wurde mittlerweile schon von dem großen Videoportal LiveLeak.com entfernt, ist aber auf anderen aufgetaucht, z.B. YouTube. Dort wurde es laut YouTube Statistik vor einem Tag eingestellt und wurde bis heute 29. März 12:00 Uhr MEZ über 320.000 mal aufgerufen, über 2000 mal zu den Favoriten hinzugefügt. Es hat eine große Diskussion angestoßen und über 13.300 Kommentare hervorgerufen sowie 76 Videoantworten. D.h. geht man von 24 Stunden aus, in denen das Video online ist sind das pro Minute! ca. 9 Kommentare. Zu dem Zeitpunkt als ich das Video schaute, gab es noch 15 andere Mitseher. Über 300 You Tube Nutzer haben die Videos des Einstellers (der sich bezeichnenderweise fitnafilm nennt) abonniert.

Was bedeutet dies aber für die Kirche?

Gerade auf den Videoportalen wie YouTube finden die öffentlichen Diskussionen der aktuellen Themen statt, die auch für die Kirche von Bedeutung sind. Das Internet, vor allem die Videoportale wie YouTube, sind zu einem wichtigen und großen öffentlichen Raum des Meinungsaustausches geworden - die Agora der Moderne, in der die Kirche Profil zeigen muss. YouTube spielt für die kirchliche PR-Arbeit eine wichtige Rolle - oder könnte es zumindest. Was denken Sie?

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Eucharistie online - Vortrag bei jungen Erwachsenen

Freitag 28. März 2008 von admin

Ich freue mich schon sehr auf Sonntag - dann werde ich in Münster in der Akademie Franz Hitze Haus innerhalb des Seminars “Die @ Generation” einen Vortrag vor jungen polnischen und deutschen Erwachsenen halten zum Thema Kirche online. Ich war bereits im Januar dort zu Gast und sehe mir gerade meine Auswertung des letzten Vortrags an. Vortrag? - das passt nicht so ganz, denn wie sagt mein Coach immer: Der Referent ist dem Zuhörer maximal 2 Minuten an Wissen voraus - deshalb sind meine Vorträge auch eher im Stil einer gemeinsamen Exkursion in den Bereich Kirche online. Letztes mal konnte ich einiges von den Jugendlichen lernen, was Ihre Erwartungen an eine Kirche online betrifft - darüber will ich kurz berichten:

Vorerfahrungen der Schüler mit Religion im Internet stellten sich als sehr gering bis nicht vorhanden heraus. Einige Schüler (ca. 4 von 30) hatten bereits einmal im Zuge des Religionsunterricht das Internet genutzt, um nach religiösen Inhalten (meist im Sinne eines interreligiösen Vergleiches) zu suchen und diese zu sichten. Eine wirkliche Vorstellungen von dem religiösen Angebot im Internet hatte keiner der Schüler.

In meiner Moderatorenausbildung bei W-Live habe ich die Teilnehmeraktivierung als Element bei längeren Einheiten schätzen gelernt. Sie bezog sich auf die Frage: „Habe ich ein besonderes Interesse an dem Thema, eine Frage, die ich gerne beantwortet hätte?“ Die Schüler zeigten hierbei ein großes Interesse an dem Themenbereich, was sich unter anderem in der Qualität der Fragen zeigte:

  • Mit welchen Themen präsentiert sich die Kirche online?
  • Ist die Kirche (altmodisch) nicht unvereinbar mit dem Internet (jung, dynamisch)
  • Hat die Kirche ein eigenes Profil online und wenn ja, wie zeigt sich das?
  • Welche Angebote hat die Kirche im Internet?
  • Benutzt die Kirche das Internet nicht nur als Köder um junge Leute anzulocken, die sonst gar nicht mehr für die Kirche greifbar wären? und: Will die Kirche sich einfach nur als cool verkaufen indem sie das Internet nutzt?
  • Wie präsentieren sich Sekten online
  • Welche Formen nutzt die Kirche im Internet?
  • Wird das Internet nicht auch zur Flucht in virtuelle Welten genutzt?
  • Wie ist die Erreichbarkeit der Kirche im Internet?
  •  Welcher Nutzen entsteht aus der Präsenz der Kirche im Internet – für die Kirche – für die Nutzer?
  • Wie steht es mit der Religionsfreiheit online – siehe Karrikaturenstreit?
  • Wer steht hinter den religiösen Angeboten, wie kann ich einen Urheber ermitteln
  • Wer ist Träger der kirchlichen Internetarbeit – Der Pfarrer?
  • Wie ist mit Anonymität im Internet – Kann ich sicher sein, dass ein Pfarrer in Second Life auch ein echter Pfarrer ist?
  • Wie stellt sich der Islam im Internet dar – wie nutzen Fundamentalisten das Internet zur Propaganda-Verbreitung

Bereits aus den Fragestellungen und aus den Diskussionen während des Vortrages kristallisierte sich ein ambivalentes Verhältnis der Jugendlichen zu Kirche (im Internet) heraus. Die Ausgangsbasis der Schüler war die Beobachtung, dass Kirche in Ihrem Leben nicht mehr präsent ist. Von daher kam die Frage, ob die Kirche das Internet nicht einfach nutze um sich einer Verjüngungskur zu unterziehen und auf dieses Weise die Jugendlichen zu werben suche.

Gleichzeitig ist aber eine große Erwartungshaltung an die Kirche deutlich geworden: Schüler erwarten Themen, die Ihre Lebenswelt entsprechen. Mehr noch als das, erwarten sie von der Kirche, dass diese deutlich Position bezieht und Missstände benennt. Die Verknüpfung beider Aspekte scheint im Sinne der Schüler eine gelungene Präsenz von Kirche im Internet auszumachen.

Das Religion und religiöse Themen aber auch jenseits von kirchlichen Präsenzen im Internet vorkommen und diskutiert werden, schien eine weitgehend neue Erkenntnis für die Schüler zu sein. Musterhaft wurde dies am Beispiel der Kampagne „Praise the lord“ in dem populären Videoportal You Tube gezeigt. Hier diskutieren Atheisten mit Christen per Videobotschaften über die Frage, ob es Gott gibt.

Die Schüler bestätigten weitestgehend die Ergebnisse der JIM Studie 2007 (zur Studie siehe meinen Blogbeitrag) in Ihrem Internetnutzungsverhalten: Communities wie SchülerVZ gehören fest zum Alltag der Jugendlichen (26 von 30 haben ein Profil), ebenso wie der Instant Messenger. Als Rechercheinstrument dient fast allen Google, Spezialsuchmaschinen oder Alternativen scheinen wenig bekannt. Interessant ist die Beobachtung, dass der Begriff Web2.0 unbekannt ist. Auch eine grundlegende medienpädagogische Kompetenz im Umgang mit dem Internet ist bei manchen Schülern noch wenig gegeben: ca. 30% glauben, dass ein Inhalt der ins Netz gestellt wird, schon von irgendjemandem vorher auf Richtigkeit geprüft wurde. Damit bestätigt sich in etwa auch das Ergebnis der JIM Studie, die diesen Wert mit 23% beziffert.

Kirche im Internet trifft in den Schülern ein kritisches aber auch aufgeschlossen-forderndes Gegenüber, dass im Prinzip die Werte der Kirche teilt. Doch scheinbar gelingt es der Kirche mit Ihrer Online-Präsenz nicht, den Schülern zu vermitteln, dass diese Ihre Werte innerhalb der Kirche leben und einbringen können.

Wenn ich dann aber eine Meldung wie heute lese (Domradio, 28.03 Titel “Boulevard erreicht Rom
Vatikan: Kritik an angeblicher Transsexuellen-Schwangerschaft”
) platzt mir sprichwörtlich der Geduldsfaden und es wundert mich nicht mehr, dass Jugendliche die Kirche meiden. Der Sprecher des mexikanischen Kurienkardinals hat scheinbar inhaltlich gesagt “Transsexualität sei generell gegen die Menschenwürde gerichtet”. Da bleibt bei mir nur die Frage: Sind wir wieder im Mittelalter? Die Aussage ist nicht nur unlogisch, da sie sich selbst nivilliert: Denn die Menschenrechte schützen ja gerade Außenseiter wie z.B. Transsexuelle, die eben wegen Ihrer Sexualität diskriminiert werden. Diese Aussage, dass Transsexualität gegen die Menschenwürde gerichtet sei ist auch verletztend gegenüber jenen, die diesen Weg für sich wählen - da hilft auch der feine Unterschied nicht, dass der Sprecher nicht von Transsexuellen spricht, sondern abstrakter von der Transsexualität. Bei mir hinterlässt eine solche Aussage nur Kopfschütteln. Dennoch freue ich mich sehr auf Sonntag und werde hier von den Eindrücken mit den jungen Erwachsenen berichten.

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Community-Studie und Virales Marketing

Donnerstag 27. März 2008 von admin

Tomorrow Focus hat die Studie Community Effects 2008 rausgebracht: Es geht um Möglichkeiten des viralen Marketings und Werbung in Social Communities. Nicht unbedingt theologisch aber spannend:
Hier ist der Ergebnisberichtband im PDFormat abrufbar

Kategorie: Community, Studie, virales Marketing | 3 Kommentare »

Studie der AGOF zur Internetnutzung

Donnerstag 27. März 2008 von admin

Die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) veröffentlicht heute (27.03) die Zahlen der neuen Welle ihrer Markt-Media-Studie: die internet facts 2007-IV. Die aktuelle Welle der internet facts weist Reichweiten- und Strukturdaten für 385 Online-Werbeträger auf Angebotsbasis und 1.967 Belegungseinheiten aus.

Das spannende: Web 2.0 Angebote sind auch hier auf dem Vormarsch.

Hier finden Sie die ausführliche Version des Berichtsbandes der internet facts 2007-IV, untergliedert in 5 Bereiche:

Kategorie: Nutzungsverhalten, Studie | Keine Kommentare »