Nach meinem letzten Posting von der Buchmesse gab es am Sonntag ein versöhnliches “netzinkulturiertes” Ende. Traditionell gehört der letzte Tag der Buchmesse den Cosplayern. Aus vielerlei Hinsicht ist diese relativ neue Jugendkultur interessant, vor allem aber ist sie ohne das Internet so nicht denkbar: Kaum eine Szene ist so gut im Internet miteinander und untereinander verlinkt.
Am Sonntag fand die erste Deutsche Meisterschaft im Cosplay statt. Veranstalter war animexx. Dort kann man sich ein gutes Bild darüber machen, wie intensiv diese Szene das Internet nutzt. Ein großer Dank gebührt dem Veranstalter, den Moderatoren und den Teilnehmern. Es war eine überaus sympathische Show und Cosplayer scheinen jede Menge Herz und Humor zu besitzen und vor allem: Sie nutzen optimal die Chancen des Internets in Sachen Community.
Nach zwei Tagen auf der Buchmesse habe ich höchsten Respekt vor Ausstellern, die die gesamten 5 Tage überstehen :-). Zwei interessante Erfahrungen will ich mitteilen:
Vernetzung: Was macht Ihr denn so?
Das E-learning Forumam Freitag Vormittag auf dem Forum Innovation hat bei mir einen gemischten Eindruck hinterlassen: Es wurden u.a. E-Learning Konzepte der Unis in Wien, Darmstadt (TU) und Stuttgart vorgestellt. Allesamt höchst spannend (und im Falle Stuttgarts auch mit dem Medida Preis ausgezeichnet), allerdings war das Fazit der - leider zu kurzen - Diskussionsrunde:
An vielen Ecken in Deutschalnd wird an den Unis in Sachen E-Learning sehr viel bewegt, aber die Vernetzung und Informationsabdeckung untereinander ist deutlich optimierbar. Tauscht man in diesem Satz “an den Unis” mit “in der kath. Kirche” aus, stimmt der Satz immer noch Das beruhigt ja irgendwie, dass fehlende Vernetzung nicht ein kircheninternes Internetproblem ist, andererseits ruft es die Frage hervor, woran das liegt. Denn genau zu diesem Zweck wurde das Internet ja aus der Taufe gehoben…
Inhaltserschliessung durch Nutzer
Eine sehr interessante Session der DGI Online-Tagung zum Thema Web 2.0 durfte ich am Donnerstag besuchen. Herr Lüth von EconBiz stelle ein interessantes Projekt zum Thema Social Bookmarking vor: Inhaltserschliessung durch Nutzer: EconBiz - Virtuelle Fachbibliothek Wirtschaftswissenschaften - hat ca. 8000 Quellen in einen Social Bookmarking Dienst (del.ico.us) eingespeist und geschaut wie die User darauf reagieren. Die Erkenntnis ist, das (ich weiss die genaue Zahl leider nicht mehr) nur wenige Quellen (Links) dadurch erstindiziert wurden und auch nachgenutzt wurden. Der Vortrag ist in einer leicht abgewandelten Version aus dem März 2003 online hier abrufbar.
Mein großes Dank richtet sich an die beiden Veranstalter,
Vielleicht kennen Sie Screamer Radio? Es ist eine kostenlose kleine Software, mit der man Radio übers Internet hören kann. Die Sender sind nach Sparten oder auch Ländern sortiert.
Seit gestern erscheint bei der Auswahl nach Ländern ein neues, vielen noch unbekanntes Land: Second Life. Zwar gibt es dort erst einen Radio Sender, der über Screamer Radio zu empfangen ist, “Iries Rocker Radio”, aber ich war schon etwas erstaunt über dieses Entwicklung.
Sie zeigt m.E. aber, dass Second Life sich ständig weiterentwickelt und keine Eintagsfliege ist.
Eine neue Studie des medienpädagogischen Forschungsverbands Südwest in einer Vorabankündigung:
Fast jeder 3. Junge
und jedes 5. Mädchen
stellt mehrmals pro Woche eigenes Datenmaterial (Videos, Bilder, Texte etc.) ins Internet.
Dabei werden als Lieblingsseiten der Jugendlichen (12-19 Jahre) viele Web2.0 Seiten genannt. Dort allerdings machen deutlich weniger mit als im gesamten Internet: 3/5 sind auf diesen Seiten nur passive Zuschauer (wikipedia, youtube, etc.)
und noch was zum Schmunzlen - wenn es nicht so unglaublich ernst wäre… aber entscheiden Sie selbst: «Ich habe Gott sei Dank Leute, die für mich das Internet bedienen.» - wer sagt das? Der hier: Michael Glos, Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, im März 2007. [Quelle: http://medienlese.com/ (Videobei Handelsblatt)
Bekannt ist das Problem, dass ich immer in jeder Community ein Profil anlegen muss, unter dem Namen “Walled garden” - also Gärten mit hohen Mauern drum herum. Wenn google jetzt einen Weg findet, ein Community-übergreifendes Profil im Internet zu schaffen, ist das ein großer Marktvorteil für google. Es ist auch der nächste logische Schritt in der Entwicklung des Internets. Ich werde hier berichten, sobald es neues darüber gibt.
Die Zeitungen und Blogs bringen z.Zt. ein interessantes Gerücht:
Google überlegt scheinbar ein Projekt mit dem Arbeitstitel “MyWolrd”. D.h. in Kürze könnte es eventuell möglich sein mit 3D Avataren durch google earth zu wandern, sich zu treffen - vielleicht sogar zum VoiceChat.
Das wäre doch eine wirklich brauchbare Weiterentwicklung. Dazu mehr Infos hier:
YouTube genießt scheinbar bei vielen Kirchenmitarbeitern und Kirchenmitgliedern ein zweifelhaftes Ansehen: Die Kinder haben da so Ihren Spass mit Ihren Videos, aber außer Albernheiten und potentiell gefährlichem Inhalt findet sich bei YouTube nichts wirklich Werthaftes?!
Pastoraltheologisch betrachtet ist es die konsequente Umsetzung des Prinzips “Eine Botschaft braucht Boten” - das ist der Kern des Evangeliums. Was ist hier bei YouTube geschehen? Ein Mann stellt ein Video in YouTube ein, in dem er dazu aufruft, die ultimative Gotteslästerung zu begehen. Als Gegenreaktion starten Gläubige die Videokampagne “Praise the Lord” - sogar im Fernsehen wird darüber berichtet.
Allein das Video von Chelsea (siehe unten) zeigt, das YouTube nicht in die Ecke der belanglosen Spassseite gedrängt werden kann - im Gegenteil: Hier wartet großes Potential auf seine Entdeckung durch die in der Kirche engagierten Mitglieder.
Dazu passend die neuen Zahlen der ARD/ZDF Online Studie in Bezug auf YouTube: Nutzung von Videoportalen wie YouTube bei den 14-19 Jährigen: 69 % :: 19-29 Jährige: 56 %